Fanfarenzug Ummerstadt

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Fanfarenzug Ummerstadt
Gründung: 1953


Der Fanfarenzug Ummerstadt existiert rechtlich nicht mehr als Verein. Jedoch erfreut er sich in der gesamten Region großer Beliebtheit, weshalb nach wie vor Auftritte durch Ehemalige wahrgenommen werden. Regelmäßige Proben oder Nachwuchsgewinnung gibt es jedoch nicht.

Geschichte

Die Wurzeln des Fanfarenzuges reichen bis ins Jahr 1953. Initiator sei der damalige Schuldirektor von Ummerstadt, Herr Bernady, der zwar kein Musiklehrer war, aber einige Instrumente spielen konnte. Mit staatlicher Unterstützung konnte er drei Fanfaren kaufen, mit denen nun Klaus König, Rolf Franz und Dieter Ros fleißig üben mussten. Hinzu kam Lothar Ros, der eine Marschtrommel von seinem Vater erhalten hatte. Geübt wurde von den Zwölf- und Dreizehnjährigen wo und wann es auch immer ging. Beim Üben im Freien habe das Immanuel Scheffel (nur „Nelli“ genannt) gehört, der in der Ummerstädter Kompanie seinen Dienst versah. Angelockt von den Klängen sei er zu den Jungs gekommen, um ihnen zu zeigen, wie man die Instrumente richtig spielt und war fortan aus dem sich zu formierenden, wenn auch noch kleinen Fanfarenzug nicht mehr wegzudenken. „Nelli“ blies die Stücke vor, so dass die Jungs die Melodie erfassten und sie versuchten, nachzuspielen.

Erste Erfolge stellten sich ein und der Kreis der Kinder, vorerst waren es nur Jungen, vergrößerte sich. Es wurde regelmäßig geprobt und bald konnten erste Märsche gespielt werden. Zu weiteren Fanfaren kamen Marschtrommeln, Landsknechttrommeln, Pauke und Becken dazu. Mit dem Ende der Schulzeit und dem Beginn der Lehre endete in der Regel die Mitgliedschaft und 1959 kam das Aus für den Vorläufer des Fanfarenzuges.

Klaus Gudjons, damals FDJ-Sekretär der Ortsgruppe regte die Bildung des Fanfarenzuges 1961 wieder an. Zuspruch gab es auch von kreislicher Seite und Immanuel Scheffel brauchte schon gar nicht überzeugt zu werden. Also wurde alles was an Trommeln und Fanfaren auf dem Dachboden der Schule noch vorhanden war, heruntergeholt und wöchentliche Proben fanden im Freien statt.

Zu einem ersten offizieller Auftritt kam es am 1. Mai 1961. Damit war der Fanfarenzug Ummerstadt gegründet, der sehr bald durch Jugendliche aus Bad Colberg, Lindenau, Gellershausen und Heldburg verstärkt wurde. Die genannten Gemeinden unterstützten die Formation auch finanziell. Es wurden weitere Instrumente angeschafft und schließlich auch eine einheitliche Kleidung, die im Laufe der Zeit farblich verändert und erneuert wurde. Begeistert von der Truppe war auch Hauptfeldwebel Uli Schlief, damals Leiter einer Tanzkapelle, der ab 1962 die Ausbildung der Trommler und Tamboure übernommen hatte und selbst einige Jahre als Stabführer fungierte. Der Fanfarenzug wuchs an und hatte 1965 bereits 46 Mitglieder.

1972 wurde das Bezirksmusikkorps Suhl (BMK) gegründet, zu dem auch der Fanfarenzug Ummerstadt gehörte.

Mit der Wende sind auch die althergebrachten kulturellen Strukturen zusammengebrochen, das BMK wurde 1990 aufgelöst. Finanzielle Hilfen waren weggefallen. Sollte der Fanfarenzug fortbestehen, war eine Vereinsgründung unumgänglich, die dann auch am 5. März 1991 erfolgte. Man einigte sich auf den Namen „Fanfarenzug Ummerstadt“. Imannuel Scheffel wurde erster Vorsitzender und ihm zur Seite standen Gerhard Roth, Gudrun Voit und Ursula Rüttinger.

Doch die Vereinskasse schrumpfte weil Versicherungsbeiträge, Gema-Gebühren für die Rechte der Komponisten und Beiträge für den Blasmusikverband die Gelder aufzehrten. Auch die sich ergebenden neuen Freizeitangebote ließen das Interesse am Fanfarenzug sinken, manche blieben den Proben fern und die Suche nach Sponsoren blieb ergebnislos, was die finanzielle Lage verschlechterte. Auch ein Nachfolger für „Nelli“ war noch nicht in Sicht. So gab es schon vor dem 35-jährigen Jubiläum im Juni 1996 Auflösungsgedanken, die noch mehrheitlich abgewendet wurden.

Beim Jubiläum aber, wollten sie es noch einmal so richtig krachen und die Fanfaren erklingen lassen sowie für Trommelwirbel sorgen. Es wurde ein großartiges Fest. Doch die genannten Gründe konnten nicht ausgeräumt werden und so kam es für viele gestandene Mitglieder und für Immanuel Scheffel, der die Entwicklung von Anfang an aktiv begleitete, zu einer schmerzlich berührten Auflösung des Vereins. Noch aktive Mitglieder durften ihre Uniform und Instrumente mit nach Hause nehmen, anderes wurde in einem Haus am Markt bis heute eingelagert.

Nach vielen Anfragen kam es immer wieder nach kurzer vorheriger Probe zu Auftritten, weil sich Oliver Bonsack für ein Weiterbestehen stark machte, was besonders Immanuel Scheffel freute, der sich allmählich zurückzog, aber noch mit 80 Jahren dabei war. Viele Ehemalige ließen sich wieder aktivieren, bekannte Melodien wurden wieder ins Gedächtnis gerufen. Es gab Auftritte zu Jahrfeiern in Lindenau, Gellershausen und Ummerstadt, bei Martinsumzügen oder beim Faschingsumzug in Heldburg. Inzwischen freuten sich auch Orte im Coburger Land, so Coburg selbst, Seßlach, Gemünda, Wasmuthhausen, Weitramsdorf und weitere Orte über Zusagen des Fanfarenzuges.

Und so sind nach dem 35-jährigen von 1996 inzwischen 60 Jahre geworden, die 2023 (aufgrund Corona-Verschiebung) auf dem Viehmarkt ordentlich gefeiert wurden. Im selben Jahr erschien die Geschichte des Vereins als Buch „Fanfarenruf und Trommelschlag - Die Geschichte des Fanfarenzug Ummerstadt“, welches im Rahmen einer Schüler-Projektarbeit entstand.