Musik- und Spielleuteverband des DTSB der DDR

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Der Musik- und Spielleuteverbandes des DTSB der DDR (MSV) tritt 1990 die Nachfolge der Zentralen Spielleutekommission des DTSB der DDR an. Bemühungen um einen eigenen Verband gab es allerdings bereits eher.

Geschichte

Verdienstmedaille des MSV in Gold - das verwendete Emblem des MSV findet sich auch auf einem Jubiläumswimpel vom Spielmannszug Radeberg aus dem Jahr 1982 wieder, die genauen Umstände dazu sind aber unklar.
Verdienstmedaille des MSV in Silber
Verdienstmedaille des MSV in Bronze

Erste Bestrebungen für einen eigenen Verband gab es bereits Anfang der 70er Jahre. Auf seiner 10. Tagung am 29. November 1973 hatte der Bundesvorstand des Deutschen Turn- und Sportbundes der DDR die Bildung eines selbständigen Verbandes der Spielleute im DTSB beschlossen.[1] Der neue Sportverband, dem alle im DTSB organisierten Klangkörper (Spielmanns- und Fanfarenzüge sowie Blas- und Fanfarenorchester und Schalmeienkapellen) angehören sollten, sollte den Namen „Musik- und Spielleuteverband des DTSB der DDR“ tragen. Der 1. Verbandstag der Spielleute im DTSB sollte am 20. April 1974 stattfindet[2], bei der neben Sektions-, Kreis- und Bezirksfachausschußwahlen das Präsidium und die Revisionskommission des neuen Verbandes von den Delegierten gewählt werden sollte. Trotz intensiver Vorbereitungen wurde der Verband nicht gegründet. (Zu den genauen Umständen liegen keine Unterlagen vor.)

Im November 1989 bestätigte der DTSB Bundesvorstand mit großer Mehrheit erneut einen Antrag zur Gründung eines eigenen Verbandes, dem Musik- und Spielleuteverbandes des DTSB der DDR. Er sollte die bis dahin bestehende Zentrale Spielleutekommission beim DTSB der DDR ablösen. Schon am 17. Februar 1990 findet in Halle (Saale) mit Vertretern aller Bezirksfachausschüsse eine außerordentliche Tagung als Gründungsverbandstag statt.

Auf dieser außerordentlichen Tagung wurde ein zeitweiliger Arbeitsausschuss mit allen Kompetenzen eingesetzt, der insbesondere den 1. Ordentlichen Verbandstag vorbereitete. Dieser Verbandstag fand am dann am 8. April 1990 (zuerst für den 12. Mai geplant) in Halle statt und es wurde das Präsidium mit dem Präsidenten und beiden Vizepräsidenten, als Präsidiumsmitglied den Vorsitzenden der Kommission Spielleutejugend sowie die Revisionskommission gewählt und der Generalsekretär vom neu gewählte Präsidium berufen.

Das Statut und die „Grundorientierungen zur künftigen Entwicklung des MSV“ wurden verabschiedet. Auf der 1. Tagung am 8. Mai 1990 wurde weiterhin u. a. eine Auszeichnungsordnung durch das Verbandspräsidium verabschiedet.

Wenige Tage nach Abschluss der letzten Wettkampfsaison 1990 wird es auch für den MSV ernst. Am 26. Juli beginnen in Berlin die Spitzengespräche zwischen Vertretern der Präsidien des Deutschen Turner Bundes (DTB) und des MSV der DDR, die am 26. August und 4. September fortgesetzt werden. Auf der Seite des MSV leitet Bernd Schenke die Gespräche, der DTB wird zunächst von Präsident Walter Wallmann (zu dieser Zeit hessischer Ministerpräsident), später von DTB Vizepräsident Günter Hein vertreten. Einziges Ziel der Verhandlungen: Die möglichst rasche Übernahme des gerade gegründeten selbstständigen Musik und Spielleuteverbandes der DDR in den Fachbereich Musik und Spielmannwesen des Deutschen Turner Bundes (DTB). Am 8. September hatte MSV Präsident Peter Ahlborn in Hannover zum ersten gemeinsamen Deutschen Turntag mit seiner Bereitschaftserklärung für den MSV unter Anwendung der sogenannten Beitrittsformel den Weg zur Übernahme geebnet. Anfang Oktober tagte das Präsidium des MSV letztmalig in Berlin zur Vorbereitung einer außerordentlichen Verbandstagung für die Verbandsauflösung, die am 10. November 1990 in Vatterode (Sachsen Anhalt) in Anwesenheit der Leitung des Bundesfachausschusses Musik und Spielmannswesen des DTB, an der Spitze Wilhelm Watermann und Bernhard Lott, vollzogen wurde. Es wurden fünf Vertreter benannt, die in den Bundesausschuss des Fachgebiets Musik- und Spielmannswesen des Deutschen Turner-Bundes e.V. kooptiert werden sollten. Seitdem haben die Spielleute der ehemaligen DDR - mit Ausnahme der Blasorchester - eine neue Heimstatt im Fachgebiet Musik und Spielmannswesen unter dem Dach des Deutschen Turner Bundes (DTB).

Die ehemaligen Bezirksfachausschüsse (BFA) schlossen sich zu Ausschüssen/Fachbereiche in den neuen Landesverbänden des DTB in den ostdeutschen Bundesländern zusammen. Einzige Ausnahme: Im Freistaat Sachsen gründete sich bereits vor Auflösung des MSV der Landes- Musik- und Spielleuteverband Sachsen e.V. als eigenständiger landesweiter Fachverband innerhalb des Landessportbundes Sachsen und kann der Zwangsauflösung entgehen.

Einige der BFA existierten bis zur Auflösung des MSV für kurze Zeit ebenfalls als eigenständiger Verein:

  • Bezirksfachausschuß Leipzig
    • Als Verein angemeldet unter VR 347 beim Amtsgericht Leipzig als „Bezirksfachausschuß Leipzig im Musik- und Spielleuteverband des DTSB der DDR“
    • Vorsitzender: Erwin Dietrich, Stellvertreter: Harald Mösch, Finanzen: Brunhild Kellner
    • Mitgliederversammlung am 11.07.1990 beschließt das Statut, eingetragen im Vereinsregister am 14.08.1990
    • Mitgliederversammlung am 01.10.1990 beschließt Auflösung, Löschung aus Vereinsregister am 03.04.1991
  • Bezirksausschuß Magdeburg
    • Als Verein angemeldet unter VR 541 beim Amtsgericht Magdeburg als „Bezirksausschuß Magdeburg des Musik- und Spielleuteverband des DTSB der DDR e.V.“
    • Vorsitzender: Uwe Klein
    • Satzung vom 27.05.1990
    • Fortführung ab 2007 unter VR 10541 beim Amtsgericht Stendal, bisher keine Löschung
  1. Der Tambour 12/1973
  2. Der Tambour 3/1974