Der Tambour/Ausgabe 1990 11

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23. Jahrgang, Nov./Dez. 1990

Scan der Original-Ausgabe als PDF

Seite 1

Letzter Akt in Vatterode:

Etwas Wehmut und große Hoffnungen

■ Außerordentlicher Verbandstag beschloß die Auflösung des Musik- und Spielleuteverbandes im DTSB

■ Legislative nun beim Bundesausschuß für das Fachgebiet Musik- und Spielmannswesen im DTB

An gleicher Stätte, wo zu Beginn dieses Jahres die Dokumente für die perspektivische Tätigkeit im damals noch zu wählenden MSV heiß diskutiert und dennoch auf einen positiven Nenner gebracht wurden, fand Anfang November — also neun Monate später — eine erwartungsvolle Zukunftsvision ihr Ende. Vatterode war Tagungsstätte des letzten Verbandstages des MSV im DTSB.

Den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen folgend, ist nun auch die Spielleutebewegung aus Ost und West vereint. Dazu war es notwendig, einen außerordentlichen Verbandstag einzuberufen, der am 10. November 1990 stattfand.

Eine intensive Arbeitsetappe

Präsident Peter Ahlborn gab vor den Delegierten aller fünf Landesfachverbände und den Vertretern des Bundesausschusses für das Fachgebiet Musik- und Spielmannswesen im DTB, Bernhard LOTT — Bundesfachwart — und Wilhelm WATERMANN — Stellvertreter des Bundesfachwartes —, einen Bericht zur Tätigkeit des gewählten Präsidiums seit dem 28. April dieses Jahres. Er verwies auf die erfolgreiche Durchführung der regionalen und zentralen Wettkämpfe sowie auf den Höhepunkt Deutsches Turnfest in Bochum/Dortmund und auf die keineswegs einfachen und weniger umfangreichen Spitzengespräche auf dem Weg zur Fusionierung der Turnermusiker.

Ordnungsmäßigkeit war gegeben

Frank Mierisch gab den Bericht der Revisionskommission und konnte nach einer abschließenden Prüfung Ende Oktober im Generalsekretariat des Verbandes bestätigen, daß die erforderliche Ordnungsmäßigkeit in allen Belangen gegeben war.

Auflösungsantrag

Als Präsident des MSV unterbreitete Peter Ahlborn den Delegierten den Antrag, den Musik-

Fortsetzung auf Seite 2

INTERVIEW

Mit dem Bundesfachwart für Musik- und Spielmannswesen im DTB, BERNHARD LOTT (unser Bild), sprach die Redaktion „der tambour“ in Hannover und informierte sich über die künftigen Gemeinsamkeiten der Spielleute aus Ost und West unter dem gemeinsamem Dach Deutscher Turner-Bund (Lesen Sie dazu auf Seite 2.)

„TURNERMUSIKER“

heißt das Organ des Fachgebietes Musik- und Spielmannswesen im DTB, das ab Januar 1991 für die Vereine des ehemaligen MSV verbindliche Informationsquelle ist. Der „Turnermusiker“ erscheint im Zweimonaterhythmus, ist das Sprachrohr des Bundesfachausschusses und die Tribüne eines vielseitig möglichen Erfahrungsaustausches. Bestellungen können ab sofort beim zuständigen Redakteur, Wilhelm Watermann, in Bad Gandersheim, W - 3353, Clusgasse 11, vorgenommen werden. Dorthin sind auch Beiträge für die Zeitschrift zu schicken.

Kurz notiert

37 Jahre im Zeitraffer

Eine zusammenfassende Übersicht zur Entwicklung der Spielleutebewegung im DS/DTSB seit 1953 bis zur Fusion mit dem Deutschen Turner-Bund und der Zugehörigkeit zum Fachgebiet Musik- und Spielmannswesen des DTB vermittelt die vorliegende letzte Ausgabe „der tambour“ auf den Seiten 5 bis 9.

Von der Gründung bis zur Einstellung

Nach 23 Jahren, in denen rund 250 Ausgaben entstanden, stellt „der tambour“ sein Erscheinen ein. Die Gründe dafür sind hinreichend bekanntgemacht (auch in dieser Ausgabe).

Als Begründer des Fachorgans der Spielleute des DTSB, im Herbst 1967, war es mir vergönnt, seit der 1. Ausgabe bis zur Einstellung — mit einer aufgezwungenen Unterbrechung zwischen 1977 und 1985 — als Verantwortlicher Redakteur tätig zu sein. Ich habe in diesen Jahren aus den Vereinen, von einzelnen Spielleuten und Funktionären mehr oder minder umfangreiche Unterstützung erhalten. Erst dadurch war es möglich, den „tambour“ aktuell, informativ, interessant und spielmannsnah zu gestalten. Deshalb ist es mir ein echtes Bedürfnis, allen zu danken, die mit mir für unseren „tambour“ tätig Waren. Bernd Schenke

Mandat und Verantwortung

Der außerordentliche Verbandstag des MSV im DTSB hat gemäß der Entscheidung des Präsidiums des DTB die 5 Vertreter gewählt, die in den BUNDESAUSSCHUSS des Fachgebietes Musik- und Spielmannswesen des DTB kooptiert werden. Sie sind die Interessenvertreter der Spielleute der fünf Landesfachverbände im Östlichen Teil Deutschlands und gleichzeitig mitverantwortlich für das rasche Zusammenwachsen der Spielleute im DTB der BR Deutschland.

Gewählt wurden Mario BIELIG, Dieter FRACKOWIAK, Uwe KLEIN, Helmut MEY und Lutz THIELE.

Die Mehrzahl der bisherigen Präsidiumsmitglieder (unter ihnen Lothar Noltin, Bernd Schenke, Gerd Schreiber) stellten sich nicht wieder zur Wahl.

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Das Gebot der Stunde:

Gegenseitiges Respektieren — gemeinsames Handeln

Sportfreund BERNHARD LOTT, Bundesfachwart für Musik- und Spielmannswesen im Deutschen Turner-Bund ist das zukünftige „Oberhaupt“ auch für die Spielleute des ehemaligen MSV.

Am Rande des Deutschen Turntages 1990 in Hannover sprach „der tambour“ mit dem Funktionär und auch Aktiven, der Posaunist in einem Blasorchester des DTB ist.

„der tambour“: „Ist das Fachgebiet Musik- und Spielmannswesen des DTB auf die Übernahme der 17 000 Spielleute aus dem MSV vorbereitet und welche Erwartungen verknüpft der Bundesfachwart mit dieser Vereinigung?“

B. Lott: „Für eine langfristige und kontinuierliche Vorbereitung auf diesen Zusammenschluß war eigentlich auf beiden Seiten kaum Zeit. Die Ereignisse haben sich im Zuge der politischen Entwicklung auch auf unserem Gebiet überrollt. Denn noch zum Turnfest in Bochum/Dortmund war nicht an eine solche rasche Veränderung zu denken. Gleichwohl, nun ist die Einigkeit vollzogen und wir sind unter dem Dach des DTB vereint.

Ich hoffe und erwarte, daß sich möglichst schnell alle Vereine des MSV in den Landesfachverbänden zusammenschließen und danach ihrem Landesturnverband beitreten. Darüber hinaus wünsche ich mir ein Zusammenwachsen mit dem nötigen Augenmaß im musikalischen Bereich, damit es uns in einigen Jahren gelingen möge, auch nach außen das Bild eines einheitlichen, homogenen Verbandes zu vermitteln. Mir liegt aber auch daran, daß die beiderseits unterschiedlich verlaufene Entwicklung respektiert wird und die notwendige Bereitschaft zur Anpassung vorhanden ist.

„der tambour“: „Ausgehend von Ihren Darlegungen stellt sich die Frage nach den unmittel- und mittelbaren Aufgaben der vereinten Spielleutebewegung im DTB?“

B. Lott: „Zunächst wird es Aufgabe der Führungskräfte sein, eine mittelfristige Perspektivplanung zu entwikkeln, die die Weichen für das Zusammenwachsen stellt. Außerdem scheint mir wichtig zu sein, daß sich die Sportfreunde des MSV recht schnell aklimatisieren. Sie sollen durch das Angebot von Seminaren und Lehrgängen nicht nur die Bundesmusikschule, sondern auch die Strukturen des DTB kennenlernen. Ferner hoffe ich, daß sich auf Vereinsebene möglichst rasch Partnerschaften entwickeln, die an diesen Prozessen aktiv mitwirken.

Auch die gegenseitige Teilnahme an Veranstaltungen der Landesturnverbände oder Vereine, auf breiter Basis praktiziert, hilft beim besseren Verstehen.“

„der tambour“: „Worin sehen Sie die nächsten Höhepunkte der Spielleute des DTB und welche Rolle werden dabei die Musiker aus den fünf neuen Bundesländern übernehmen?“

B. Lott: „Auf Bundesebene sind für uns die alle vier Jahre stattfindenden Deutschen Turnfeste die absoluten Höhepunkte. Das nächste Fest steht 1994 in Hamburg an. Anfang kommenden Jahres beginnen dafür die organisatorischen Vorbereitungen. Welche Konzeption und konkrete Aufgabenstellung sich im einzelnen ergeben wird, kann ich noch nicht im Detail sagen. Da sich aber in Dortmund unser Konzept bewährt hat, werden wir darauf aufbauen. Dabei sind natürlich die Erfahrungen und Ideen der MSV-Spielleute gefragt. Wir sind offen für interessante und neue Gedanken.

Zwischen den Deutschen Turnfesten veranstalten die Landesturnverbände — auch im Abstand von vier Jahren — ihre Landesturnfeste. Hier wird es zukünftig Aufgabe der Spielleute in Mecklenburg/Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sein, die musikalische Umrahmung zu sichern.“

„der tambour“: „Sportfreund Lott, kann man schon jetzt etwas zu personellen Entscheidungen sagen. Wir meinen damit Funktionäre des ehemaligen MSV, die in Leitungsgremien Ihres Verantwortungsbereiches mitwirken?“

B. Lott: „Der Bundesfachausschuß für Musik- und Spielmannswesen des DTB wurde im März 1990 gewählt. Die Wahlperiode beträgt an sich vier Jahre, wurde aber aufgrund des Zusammenschlusses auf Beschluß des Deutschen Turntages in Hannover einmalig auf zwei Jahre begrenzt. Nach dieser Zeit, also 1992, wird erstmals ein gesamtdeutscher Bundesfachwart für unser Fachgebiet gewählt. Für die Übergangsperiode werden wir den Bundesfachausschuß um fünf Personen erweitern. Der außerordentliche Verbandstag des MSV hat am 10. 11. 1990 die Sportreunde Mario Bielig (Sachsen), Dieter Frackowiak, (Brandenburg), Uwe Klein (Sachsen-Anhalt), Helmut Mey (Thüringen) und Lutz Thiele (Mecklenburg/Vorpommern) gewählt. Damit sollte eine ausreichende personelle und Interessenvertretung gesichert sein. Darüber hinaus erscheint es mir wichtig, daß in den Landesverbänden für Musik- und Spielmannswesen aktionsfähige Leitungsgremien vorhanden sind, um die Arbeit an der Basis mit einem hohen Anspruch zu realisieren.

Ich bin sicher, daß die Spielleute des DTB ein zuverlässiger und leistungsstarker Partner in unserem geeinten Vaterland sein werden.“

Etwas Wehmut . . .

Fortsetzung von Seite 1

und Spielleuteverband im DTSB mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Zur Begründung führte er u. a. die Auflösung der Dachorganisation DTSB in diesem Jahr und die Beschlüsse des Deutschen Turntages 1990 an.

Die Delegierten stimmten dem Antrag zu. Damit waren das Präsidium entlastet und der Verband aufgelöst.

Erster Auftritt des neuen Chefs

Bernhard LOTT, als Bundesfachwart des Fachgebietes Musik- und Spielmannswesen im DTB, ist der neue „Chef“ aller Turnermusiker in der BR Deutschland. In dieser Eigenschaft sprach er anschließend zu den Delegierten. Er verwies auf die künftigen Gemeinsamkeiten, das notwendige rasche Zusammenwachsen aller Spielleute und legte die wichtigsten Aufgaben der kommenden Monate dar.

In der sich anschließenden Aussprache nahmen die Delegierten Gelegenheit, sie speziell interessierende Fragen zu erörtern und zu den Vorstellungen des Bundesausschusses Stellung zu nehmen. Es wurde vereinbart, recht bald mit den Funktionären der Vereine Seminare durchzuführen, um sie mit den neuen verwaltungstechnischen Aufgaben vertrautzumachen.

Letzte Präsidiumstagung

Das Präsidium des MSV im DTSB führte am 6. Oktober 1990 an der Bundesmusikschule in Bad Gandersheim seine letzte Tagung durch.

Auf der Tagesordnung standen:

  • Auswertung des Deutschen Turntages 1990 in Hannover und die aus den gefaßten Beschlüssen resultierenden Aufgaben für das Fachgebiet Musik- und Spielmannswesen im DTB.
  • Erstattung des Situationsberichtes der Präsidiumsverantwortlichen zur Bildung der Landesfachverbände des MSV.
  • Vorbereitung des außerordentlichen Verbandstages zur Auflösung des MSV im DTSB am 10. November 1990 in Vatterode.
  • Aufteilung des Restvermögens des MSV im DTSB auf die Landesfachverbände des MSV.

Nach Abschluß der Präsidiumstagung fand die erste und einzige gemeinsame Beratung des Bundesausschusses für das Musik- und Spielmannswesen im DTB mit dem Präsidium de MSV im DTSB statt. Mittelpunkt der mehrstündigen Aussprache war ein gemeinsames Positionspapier, in dem wichtige Forderungen gegenüber dem Präsidium des DTB im Interesse der zukünftigen anspruchsvollen gemeinsamen Tätigkeit formuliert sind.

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