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Der Tambour/Ausgabe 1977 05

Aus Stabführer.de

Dies ist die originale Wiedergabe der entsprechenden Einzel-Ausgabe von „der tambour“ zum Zweck der einfachen Durchsuchbarkeit. Aus archivarischen Gründen wurde bewusst darauf verzichtet, Wortlaute zu ändern. Für die Inhalte sind die entsprechenden Original-Autoren verantwortlich. Ansichten, Meinungen oder Aufrufe spiegeln die damaligen Gegebenheiten wider und nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers!

Juli 1977
Nummer: 5/77
Erschienen: 07/1977
Jahrgang: 10
Seiten: 8
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HEUTE AUF SEITE

3 Trainingsleistungen verbreiten Optimismus für Festtage des Sports
4 Pflichtrepertoire aller Klassen für Wettkampfjahr 1978
6 Patenbetriebe des Übungsverbandes kurz vorgestellt

Test auf Herz und Nieren

Über 800 Fanfarenbläser und Hochtrommler des Teilverbandes Fanfaren unterzogen sich bei einem einwöchigen Lehrgang im Mai in Rerik einem Test auf Herz und Nieren, bevor sie nun in Leipzig im zentralen Vorbereitungslager den „letzten Schliff“ für die Musikschau und Musikparade des „VI.“ erhalten. Das Niveau in diesem Teilverband war außerordentlich erfreulich, auf jeden Fall besser, als man in dieser Vorbereitungsphase erwarten durfte. Dies ist vor allem auf die enorme Leistungsbereitschaft und die Begeisterung der Sportlerinnen und Sportler zurückzuführen. Zu einem Höhepunkt besonderer Art im 60. Jahr des Roten Oktober gestaltete sich ein Auftritt in der sowjetischen Garnison. Die begeistert aufgenommenen Darbietungen des Teilverbandes und die gemeinsamen Stunden mit den Sowjetischen Freunden führten zu einer weiteren Einladung, der mit großer Freude nachgekommen wurde.

Das „VI.“ beginne, wir sind bestens vorbereitet

DIE SPIELLEUTE prägen bereits wieder das Leipziger Stadtbild, zwei Wochen vor Beginn desVI. Turn- und Sportfestes und der VI. Kinder- und Jugendspartakiade der DDR. Dieses Foto freilich wurde vor acht Jahren beim „V.“ aufgenommen, als die Spielleute des DTSB der DDR mit ihrer schmucken Kleidung attraktive Farbtupfer setzten. Hier bläst Petra vor dem Hauptpostamt am Karl-Marx-Platz im Zentrum der Turnfeststadt kräftig in die Fanfare.

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„tambour“-Interview

mit Rolf Lorenz, Leiter des Gestalterkollektivs des Übungsverbandes Musikschau

Die Trainingsleistungen verbreiten Optimismus

  • Rolf Lorenz, die Trainingslager der Teilverbände Fanfaren und Nachwuchs fanden in Rerik beziehungsweise in Leipzig statt. Wie läßt sich der Leistungsstand dieser Kollektive jetzt beurteilen?

„Grundsätzlich muß man sagen, daß überall eine sehr gute Arbeit geleistet wurde, die Spielleute mit Hingabe und persönlichem Engagement bei der Sache waren. Das Niveau insgesamt stimmt uns durchaus optimistisch. Für das zentrale Vorbereitungslager ab 11. Juli in der Turnfeststadt ist eine günstige Ausgangsposition geschaffen.”

  • Die Kollektive der beiden Teilverbände waren bereits mit einem soliden Ausbildungsstand in die Trainingslager angereist?

„Dieses Lob muß das Gestalterkollektiv unbedingt aussprechen. Schwächen gab es noch im Beherrschen des Repertoires bei den Nachwuchs-Spielleuten von Traktor Luisenthal. Choreographisch waren wir rundum mit dem Dargebotenen zufrieden. Begeistert nahmen die jungen Musikanten die Bewegungsabläufe auf und boten den Schaulustigen einen ersten Effekt unserer Übung.“

  • Und die Fanfaren?

„Hier hatte das Trainingslager zwei Aufgaben zu erfüllen. Die Aktiven mußten das Programm für die Musikschau und die Musikparade intensiv proben. Dabei verblüffte es uns alle, welchen Leistungsstand die Bläser bereits erreicht haben. Wie die Nachwuchsspielleute vermochten auch die Fanfarenzüge einen choreographischen Vorlauf zu erarbeiten, der uns beim Einstudierungsprozeß im zentralen Lager sehr zustatten kommt, wenn es dann den letzten Schliff geben wird.“

  • Was für Probleme traten in Rerik und auch in Leipzig auf?

„Anstoß nahm das Gestalterkollektiv an der Haltung der Instrumente. Hier fehlte die Synchronisation. Wenn wir es schaffen, diesen Fehler noch abzustellen, demonstrieren wir nicht nur gutes Spiel, sondern auch Exaktheit und hohe Disziplin, was ja für den Gesamteindruck wesentlich ist. Die Tamboure müssen ihr Temperament noch zügeln, indem sie das Gesamtrepertoire in der Dynamik eine Lautstärke leiser trommeln.“

  • Die umfangreiche Vorarbeit für die Musikschau und die Musikparade ist nun im wesentlichen abgeschlossen?

„Eine langfristige Planung der vielfältigen Aufgaben war der Grundstein, der bereits 1974 gelegt wurde. Viele Ideen wurden geboren, abgewogen, wieder verworfen, koordiniert und schließlich verwirklicht. Nicht alles war indes im Endeffekt realisierbar. Neue Gedanken können Fehler beinhalten, die man erst sehr spät erkennt. Sie schleichen sich ein und sind praktisch erst zu den Bezirksmeisterschaften sichtbar. Diese Tests bleiben ungeheuer wichtig, da sie uns zeigen, ob einzelne Passagen spielbar sind oder nicht. Ein Dank gebührt den Aktiven, die einen Teil des Repertoires bei den Bezirksmeisterschaften des Vorjahres darboten und so günstige Möglichkeiten für Korrekturen schufen.“

  • Läßt sich der Aufwand in etwa deutlich machen, der allein für die Entstehung des Repertoires der Musikschau und Musikparade erforderlich war?

„In Stunden kann man dies sicher nicht ausdrücken. In mühevoller Kleinarbeit entstanden auf einem Steckbrett die ersten Entwürfe einer Choreographie. Wer zählt die Wochenenden, nennt die Namen jener, die Ideen erprobten, bevor sie in die Gesamtkonzeption aufgenommen werden konnten. Allein 128 Zeichnungen waren notwendig. Die Schreibmaschinenseiten aneinandergelegt, die voll beschrieben werden mußten, ergeben eine Strecke von über 200 Meter. Das Gestalterkollektiv leistete tatsächlich Enormes.“

  • Wie ist dann zum „VI.“ die Aufteilung der Mitwirkenden?

„In der Musikschau wirken 756 Nachwuchsspielleute, 879 Erwachsene, 209 Mädchen, 448 Fanfarenbläser, 40 Solofanfarenbläser und weitere 350 Blasmusiker mit. Die Musikparade gestalten 510 Spielleute, 731 Fanfarenbläser, 255 Schalmeien- und 255 Blasmusiker.“

  • Die Teilnehmer der Musikparade müssen auf ihren Auftritt am längsten warten...

„So ist es. Die Musikparade wird ja bekanntlich eines der sieben Bilder der großen Abschlußveranstaltung am 31. Juli im Zentralstadion gestalten. Unmittelbar danach klingt das ‚VI.‘ aus. Die Musikschau dagegen wird in der Sportschau des DTSB der DDR am 29., 30. und 31. Juli gezeigt. Und dann natürlich der gemeinsame Auftritt mit dem Sportfestverband der FDJ innerhalb des Finales.“

  • In den Übungskompositionen ist vom Dirigieren und Taktieren die Rede?

„Der Leipziger Bodo Clauss dirigiert die gesamte Musikschau von einem erhöhten Podest unmittelbar vor dem Orchester. Taktieren wird der Roßlauer Ede Kubitza von der Zuschauertribüne aus, damit der Rhythmus auch noch von den entfernteren Spielleuten abzunehmen ist. Für ein einheitliches Auf- und Abnehmen der Instrumente sowie für den richtigen Einsatz der Teile sorgt Rolf Fräderich aus Brandenburg aus ähnlicher Position.“

  • Und in der Musikparade?

„Hier wird überwiegend das Spiel von Stabführern vor den Blockformationen geleitet.“

  • In der Vorbereitung der Musikschau der X. Weltfestspiele in Berlin gab es viel Wartezeit der einzelnen Formationen auf dem Trainingsplatz. Hat sich hier etwas geändert?

„Ich glaube schon. Auf dem Haupttrainingsplatz, der Nonnenwiese, werden anfangs Bewegungsabläufe der einzelnen Genres (Blockformationen) ge-

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Herausgeber: Zentrale Spielleutekommission im DTSB der DDR, Berlin — Verantwortlicher Redakteur: Günther Gießler — Veröffentlicht unter der Lizenz-Nr. 698 des Presseamtes beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR — Satz und Druck: VEB Verlagsdruckerei Typodruck - Schaubek, Bereich Döbeln III-8-4

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Pflichtrepertoire aller Genres und Klassen für das Wettkampfjahr 1978

In Auswertung der Arbeiten des Gestalterkollektivs des Übungsverbandes Musikschau und der Planung der Aufgaben der Spielleute des DTSB der DDR für die Jahre 1978 bis 1980 hat die Zentrale Spielleutekommission auf Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Technik folgenden Repertoire als Pflichtprogramm für das Wettkampfjahr 1978 beschlossen:

AUCH DIE HOCHTROMMLER zeigten im Reriker Trainingslager sehr gute Leistungen.
WILLKOMMENE „UMRAHMUNG“ bei Sportveranstaltungen: Klangkörper des DTSB. Hier der Spielmannszug von Lok Nordost Leipzig.

Spielmannszüge Erwachsene

Sonderklasse und Leistungsklasse I

Der kreuzfidele Kupferschmied
Mit vereinten Kräften
(Fassung Brückner ’77, Teil A,, B und C)
Frohe Klänge
Goldene Trompeten

Leistungsklasse II

Der kleine Tambour
Fliegermarsch
Der kreuzfidele Kupferschmied

Leistungsklasse III

Der kleine Tambour
Fliegermarsch

Spielmannszüge Nachwuchs

Sonderklasse und Leistungsklasse I

Mit vereinten Kräften
(Fassung Brückner ’77, Teil B und C)
Die lustigen Turner
Frohe Klänge

Leistungsklasse II

Der kreuzfidele Kupferschmied
Die lustigen Turner

Spielmannszüge Mädchen

Der kreuzfidele Kupferschmied
Die lustigen Turner
Mit vereinten Kräften
(Fassung Brückner ’77, Teile B und C)

Fanfarenzüge

Sonderklasse

Spartakiademarsch
Sportler voran
Dynamomarsch
Frohe Klänge
Mit vereinten Kräften
(Fassung Brückner ’77, Teile A, B und C)

Leistungsklasse

Spartakiademarsch
Sportler voran
Dynamomarsch
Mit vereinten Kräften
(Fassung Brückner ’77, Teile B und C)
Frohe Klänge

Bereichsklasse

Erfurter
Spartakiademarsch
Sportler voran
Sport frei

Schalmeienorchester

Sonderklasse

Brüderlich verbunden
(Glückliche Zukunft als ein Stück ohne Noten)
Freundschaftsklänge
Rote Pfingsten

Leistungsklasse

Brüderlich verbunden
Frohes Beginnen
Die rote Fahne

Bereichsklasse

Fichtemarsch
Die Arbeitsmänner

Trainingsleistungen verbreiten Optimismus

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probt. Diese erweitern wir stückweise, so daß eine nennenswerte Leerzeit nicht entsteht. Die choreographischen Abläufe der ersten Tage werden zum Teil ohne Instrument erprobt, um jedem Aktiven die Sicherheit zu geben, den anzulaufenden Punkt wie gewünscht zu finden.“

  • Natürlich wird nicht nur auf dem Haupttrainingsplatz geübt.

„Das ist klar. Jedem Teilverband steht ein eigener Trainingsplatz zur Verfügung, der benutzt wird, wenn für die jeweiligen Kollektive auf der Nonnenwiese keine Trainingszeit vorgesehen ist. Alle Trainingsplätze verfügen über einen Regieturm und die erforderliche Tontechnik. Einige haben auch Plattennummerierung, damit der Teilverband die Feinheiten der Choreographie proben kann.“

  • Die Platten sollen den Teppich imitieren?

„Wenn man so will, ja. Der Teppich steht nur im Zentralstadion zur Verfügung. Die Trainingsplatten bilden genau den Schnittpunkt der zu einem Teppich zusammengefügten hell- und dunkelgrünen Karos. Sie werden gesteckt und demonstrieren uns dann die Richtzahlen zu den einzelnen Bewegungsabläufen. 2300 Platten werden bis zum 11. Juli vom Gestalterkollektiv auf der Nonnenwiese gesteckt. Sie sind gekennzeichnet mit Groß- und Kleinbuchstaben sowie Zahlen von 1 bis 60. Außerdem gibt es noch rote und weiße Platten.“

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Einstufungsordnung

Für Spielmannszüge

1. Prinzip der Bewertung

1.1. Allgemein

Die Schwierigkeit eines Musikstückes wird als Summe von acht Schwierigkeitskriterien errechnet. Jedes dieser Kriterien hat einen Wert, der sich nach dem Grad der Anforderungen an den Zug richtet. Die acht Kriterien sind unabhängig voneinander zu betrachten. Die theoretisch denkbare maximale Schwierigkeit (unter Zugrundelegung der in einem Spielmannszug eingesetzten Instrumente) gilt als Höchstschwierigkeit in einem Kriterium.

1.2. Wertigkeit der Kriterien

Flöte I 1,0
Mehrstimmigkeit 0,8
Variationen 0,8
kleine Trommeln 1,0
Schlagzeug 0,4
Dynamik 0,6
Rhythmus 0,2
Länge 0,2

insgesamt

5,0

1.3. Instrumentenbeurteilung und Stimmenzuordnung

1.3.1. Flöten

Beurteilung der Melodienstimme, die von der Mehrzahl der Flöter eines Zuges gespielt werden muß, unter Flöte I. Zweite Stimme, mehrstimmiger oder Akkordsatz von Nebenstimmen der Hauptmelodie und der Variationen unter Mehrstimmigkeit. Variationen oder Nebenmelodien, von mehreren Flötern oder als Solo zu spielen, unter Variationen.

1.3.2. Hörner

Beurteilung reiner Hornmärsche analog der Flötenbeurteilung.

Hornmärsche mit Aufsatzbogen:

Grundmelodie unter Flöte I, Begleitstimmen der Grundmelodie unter Mehrstimmigkeit, Nebenmelodien unter Variationen.

Flöte und Horn gemischt:

Flötenbeurteilung wie bisher; Grundmelodie Horn unter Variationen; Begleitstimmen der Flöten und des Horns unter Mehrstimmigkeit. Ist das Horn ausgesprochen melodienführend, wird es unter der Rubrik Flöte I, die Flöten werden unter Variationen gewertet.

Flöte und Horn abwechselnd:

Die entsprechenden Flöten- und Hornstimmen werden je nach ihrem Charakter gemeinsam der Flöte I, Mehrstimmigkeit und Variationen zugeordnet. Um der Spezifik des Hornspiels zu entsprechen, werden jeder Hornstimme 50 Prozent der Einstufungspunkte aufgeschlagen.

1.3.3. Lyren

Spielen die Lyren Melodien, Mehrstimmigkeiten oder Variationen, die in den Flöten- oder Hornstimmen vorkommen, so sind das keine Schwierigkeiten, da diese Elemente schon in den Flötenstimmen bewertet wurden. Spielen die Lyren eigene Melodien, Stimmen oder Variationen, die in keiner Flötenstimme gebracht werden und sehr deutlich verschieden von den eingebrachten Flötenstimmen sind, so werden sie entsprechend ihrem Charakter und ihrer Schwierigkeit bei Mehrstimmigkeit oder Variationen mit bewertet.

Es ist nicht nötig, Lyrastimmen einzureichen, die weitestgehend Flötenstimmen entsprechen!

1.3.4. Kleine Trommeln

Die Bewertung der kleinen Trommeln erfolgt im gleichnamigen Kriterium.

1.3.5. Große Trommel, Becken

Die Bewertung erfolgt in der Rubrik „Schlagzeug“.

1.3.6. Neben- oder Begleitinstrumente

Der Wettkampfeinsatz solcher Instrumente setzt einen genehmigten Antrag des Nutzers durch die Kommission Spielmannszüge voraus. Gemeint sind Instrumente, die die typische Spielmannsmusik nicht verändern, jedoch den Vortrag eines Musikstückes bereichern, weil sie seinen musikalischen Ausdruck unterstreichen. Der Gesamtanteil an der Instrumentalbesetzung und der Grad der Wichtigkeit am Gesamtspiel werden nicht in eigenen Wertungskriterien berücksichtigt.

Je nach vergleichbarer Art des Begleitinstrumentes ist es einem der üblichen Spielmannsinstrumente zuzuordnen und in einem verhältnistreuen Bewertungsmaß im einschlägigen Kriterium zu berücksichtigen. Dabei müssen die Wertungshöchstwerte in jedem Kriterium eingehalten werden.

1.4. Marschtempo

Für alle Ausführungen wurde Marschtempo 114 zugrunde gelegt. Ist übereinstimmend mit der Wettkampf- und Klassifizierungsordnung ein anderes Tempo vorgesehen, so muß dies auf allen Notenblättern als Angabe in Zahlen vermerkt sein. Bezeichnungen wie „Moderato“ oder „allegro“ sind unzulässig.

Für die Flöter bedeutet eine Tempoverlangsamung eine wesentliche Erleichterung: für die kleinen Trommeln auch, aber beim Wirbeln beispielsweise fällt es weniger ins Gewicht. Tempi um 100 können bis 0,15 Punkte pro Flötenkriterium und kleine Trommel geringer bewertet werden; Tempi um 80 bis 0,30 Punkte weniger. Tempi über 120 erschweren besonders die Ausführung von Läufen und Schlagfolgen, unter Beachtung der Taktart, und können bis 0,05 Punkte pro Flötenkriterium und kleine Trommel höher bewertet werden; Tempi über 140 bis 0,1 Punkte. Bei vorrangiger Verwendung von 1/4 oder 1/2 Noten ist die Erhöhung der Schwierigkeit unwesentlich.

1.5. Taktart

Wird von den üblichen Marschmusiktaktarten (2/2, 2/4, 4/4, 6/8) abgewichen (beispielsweise 3/4-Takt), dann stellt das an die Spielleute vor allem rhythmische Anforderungen. Für die Trommler ergeben sich unter Umständen einige neue Schlagfolgen Diese sind aber meist wenig abwechslungsreich, da in diesen Taktarten mehr rhythmische Standard-Begleitschläge, wie sie

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Einstufungsordnung

EIN SPIELMANNSZUG bei einem Auftritt zur Halbzeitpause eines Fußballspiels im Leipziger Bruno-Plache-Stadion.

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bei der Tanzmusik üblich sind, Verwendung finden. Für die Flöter sind Stücke im 3/4-Takt oft leichter, weil meist das Spieltempo geringer ist.

2. Bewertungsmaßstäbe der Kriterien

Im Folgenden sollen für die Wertung in den Kriterien teils Richtlinien, teils Anhaltspunkte gegeben werden. Es kann nie alles genannt werden, was im Einzelfall zur Urteilsbildung beiträgt, weshalb kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann.

Die Reihenfolge steht in keiner Beziehung zur Wertigkeit. Die größte Beachtung verdienen immer diejenigen Schwierigkeiten, die Anforderungen an den gesamten Zug oder eine große Gruppe von Spielern stellen. An ihnen muß sich das Leistungsvermögen eines Zuges beweisen. Der Anteil am Gesamtklang, die Beurteilbarkeit durch den Laien (das bedeutet, bei fehlerhaftem Spiel auch entsprechend aufzufallen) ist stets zu berücksichtigen. Solostellen binden zwar einige der besten Spieler an besondere Aufgaben, stellen aber für den gesamten Zug eine verhältnismäßig geringe Belastung dar.

2.1. Flöte I

  • viele Achtel und schnelle Läufe
  • zahlreiche extrem hohe oder tiefe Töne
  • viele Halbtöne für Trommelflöte ungünstige Tonarten
  • Legate, Stackate
  • Vorschläge, Triller
  • Spiel bei Pausen von Schlagzeug und Trommeln
  • Synkopen
  • Anhaltendes Hornspiel ohne Pausen

1,0 kann nur gegeben werden, wenn mehr als 2/3 der Takte Höchstschwierigkeiten aufweisen und die Durchschnittsschwierigkeit der restlichen Takte höchstens 0,2 Punkte geringer einzuschätzen ist.

0,9 kann gegeben werden, wenn etwa die Hälfte der Takte Höchstschwierigkeit darstellt.

0,8 kann maximal gegeben werden, wenn die Durchschnittsschwierigkeit in allen Marschteilen an der Grenze zur Höchstschwierigkeit liegt oder wenn etwa 2/3 des Marsches Höchstschwierigkeit aufweist.

Auch hier gilt, wie weiterhin für Mehrstimmigkeit, Variationen und Trommeln, daß die Endnote des betreffenden Wertungskriteriums nur bis 0,2 über der Durchschnittsschwierigkeit der anderen Teile liegen darf.

2.2. Mehrstimmigkeit

Bewertung analog Flöte I (bezogen auf maximal 0,8 Punkte). Bei zweistimmigen Märschen wird die 2. Stimme voll der Mehrstimmigkeit zugeordnet, auch wenn sie Variationscharakter hat.

Stimmen, die im Akkordsatz stehen oder Vereinfachungen der Grundmelodie darstellen (beispielsweise halbe Noten, statt 1/8-Läufen in der Flöte I, werden hier gewertet), unabhängig von ihrer Anzahl oder Benennung durch den einreichenden Zug.

Entscheidend bei mehreren Stimmen, die im Akkordsatz stehen, ist ihr Anteil am Gesamtklang. Die Gefahr, durch fehlerhaftes Spiel aufzufallen, ist durch die Ähnlichkeit der Stimmen gering, so daß mehrerer solcher Stimmen nur unwesentlich zu bewerten sind. Spiel bei Pianostellen, Soli oder eigene Melodieführung fallen dagegen besonders auf. Liegen mehr als zwei Stimmen vor, so werden die zusätzlichen Stimmen entsprechend ihrem Charakter teilweise oder ganz der Mehrstimmigkeit oder Variation zugeordnet. Mehrstimmiges Hornspiel bei Märschen mit Flöte und Horn und mehrstimmiges Lyraspiel, das nicht mit irgendeiner Flötenstimme identisch ist, werden hier auch berücksichtigt.

2.3. Variationen

Bewertung analog Flöte I (bezogen auf maximal 0,8 Punkte). Die Variationsstimmen sollen höchstmöglichst die musikalischen und technischen Fertigkeiten der Flöter demonstrieren. Der Anteil am Gesamtklang beziehungsweise die Gefahr, durch Fehler aufzufallen, ist zu berücksichtigen (siehe auch unter Mehrstimmigkeit).

Nicht vollständig durchgehende, also Teilstimmen, können auch bei Höchstschwierigkeit nur den prozentualen Anteil von 0,8 Punkten erhalten, der taktmäßig ihrem prozentualen Anteil von Flöte I entspricht (beispielsweise bei einem Marsch mit 120 Takten Flöte I umfaßt die Variation 30 Takte, die sämtlich in Höchstschwierigkeit stehen. — Wertung 0,2 Punkte).

Durchgehende Variationen, die aber keine Läufe, sondern nur 1/4 und 1/2 Noten im „alla-breve“ Takt aufweisen, können maximal 0,4 Punkte erhalten.

Horn I bei Märschen mit Flöte, Horn und Lyravariationen, die nicht mit einer Flötenstimme identisch sind, werden hier auch berücksichtigt.

2.4. Kleine Trommeln

Vergabe der Höchstnote 1,0 entsprechend letztem Absatz Flöte I (alle Takte zählen nur einfach, Wiederholungen in gleicher Spielweise bleiben unberücksichtigt):

  • viele Achtel
  • Triolen mit und ohne Vorschlag
  • lange Wirbel, ungerade Wirbel ohne Abschlag
  • Synkopen; Punktieren mit 1/8 oder 1/16 Noten
  • Gegenschläge; abweichendes Schlagen von der Flötenmelodie
  • Abwechslungsreichtum in den Schlagverbindungen
  • schwierige Schlagverbindungen
  • Abwechslungsreichtum der gesamten Bearbeitung
  • Teilwiederholungen in neuer Schlagart

Wurde mehr als eine Trommelstimme eingereicht, so erhalten die weiteren Stimmen keine eigene Schwierigkeitsnote, sondern es wird der Gesamtkomplex „Kleine Trommel“ beurteilt; insbesondere der erschwerenden Beeinflussung von Trommel I.

2.5. Schlagzeug (große Trommel, Becken)

  • Doppelschläge
  • Soli, Wirbel, Synkopen
  • Schläge gegen den Takt
  • Wechsel von taktgerechten Schlägen und Gegenschlägen
  • Anteil am Gesamtklang (Paukenmärsche)
  • Abwechslungsreichtum der Schläge
  • alternierendes Schlagen von Becken und großer Trommel
  • Triolenschlag

2.6. Dynamik

Die Bewertung erfolgt in den Noten der kleinen Trommeln und des Schlagzeugs, die mit dynamischen Zeichen versehen sein müssen.

Höchstschwierigkeit 0,6 kann nur gegeben werden, wenn der gesamte Marsch wesentlich und abwechslungsreich dynamisch durchgearbeitet ist. Dicht aufeinanderfolgende und von Lautstärkewechseln, besonders innerhalb von Schlägen oder Schlagfolgen. Crescendo, Decrescendo. Vielseitigkeit und Abwechslungsreichtum der verwendeten Elemente. Verschiedenartige dynamische Auszeichnung von Teilwiederholungen.

2.7. Rhythmus

Synkopenspiel
Wechsel der Taktart, mehrmaliger Wechsel der Taktart

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Einstufungsordnung

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ritardando, rallendando
Rhythmusfolgen, die von den üblichen in der Spielmannsmusik abweichen
Fermaten, Generalpausen, Soli
Punktierungen, besonders bei kurzen Notenwerten
Betonungszeichen (beispielsweise Punkte über der Note, Akzentzeichen, Begrenzungszeichen), die rhythmisch weiter akzentuieren und den Stil verfeinern
Taktarten, die in der Spielmannsmusik unüblich sind
abweichende Tempi, häufig wechselndes Spiel der Instrumentengruppen

2.8. Länge

Die Takte werden in der Trommelnote gezählt. Einmalige Wiederholungen sind generell üblich und werden nicht doppelt gezählt.

Wird ein Melodienteil zum dritten Mal in gleicher Ausführung gebracht, so wird vom dritten Mal ein Viertel der Taktzahl gewertet. Bei erstmaliger Wiederholung eines Melodienteils in neuer Ausführung der kleinen Trommel wird die halbe Taktzahl gezählt. Bei erneuter Wiederholung in wiederum neuer Schlagart, werden nochmals drei Viertel der Taktzahl berücksichtigt.

Höchstschwierigkeit:

ab 80 Takte 0,05 Punkte
ab 100 Takte 0,10 Punkte
ab 120 Takte 0,15 Punkte
ab 140 Takte 0,20 Punkte

Diese Punkte sind Höchstsätze für die vorgegebenen Taktzahlen und dürfen nur gegeben werden, wenn die Takte sehr abwechslungsreich sind. Bei Eintönigkeit bis 0,04 Punkte weniger. Märsche unter 30 Takten, die noch dazu eintönig geschrieben sind, können mit 0 Punkten bewertet werden.

3. Berechnung

Als Bezugsbasis neben der Höchstschwierigkeit sollen zwei der üblichen Spielmannsmärsche gelten:

Nr. 4 „Sturmlied“ :0.3/0.2/—/0.3/0.1/0.1/0.05/0.05/1.1
Nr. 28 „Durch die Nacht zum Licht“: 0.8/0.4/0.25/0.65/0.2/0.35/0.13/0.08/2.9

Die Genauigkeit der Einstufung soll in Spalte 1 bis 6 in Schritten von 0,05 Punkten Abstand erfolgen; bei Spalten 7 und 8 in Abständen von 0,01 Punkten. Die Endsumme wird auf eine Stelle hinter dem Komma mit 0,1 Punkten Abstand gerundet.

4. Einstufung

4.1. Einreichung der Noten

Zur Einstufung müssen neun Notensätze eingereicht werden. Zwei Sätze werden mit dem Einstufungsergebnis versehen und gehen an den Zug zurück (siehe auch 5.1.). Die sieben anderen Sätze bleiben als Beleg bei der Arbeitsgruppe Einstufung. Diese Sätze dürfen nicht anderweitig verwendet werden, auch nicht als Wettkampfunterlage für ein Kampfgericht. Die Einreichung zur Einstufung ist unabhängig von der Einreichung von Noten für ein Kampfgericht vor Wettkämpfen.

Die geforderten Noten müssen schon eingestuft sein und in geforderter Anzahl an die Adresse geschickt werden, die aus der Ausschreibung hervorgeht. Darunter muß ein Satz sein, der von der Arbeitsgruppe Einstufung bestätigt, eingestuft und auf jedem Blatt abgestempelt wurde. Die Notensätze müssen in je zwei Teilpartituren geschrieben sein. Die erste Teilpartitur umfaßt alle Stimmen der Melodieninstrumente, die zweite Teilpartitur alle Rhythmusinstrumente. Von der Teilpartiturschreibweise sind alle gedruckten Märsche im Marschalbum I ausgenommen.

Jeder Spielmannszug ist selbst dafür verantwortlich, daß er unter Berücksichtigung einer zweimonatigen Einstufungsdauer (Siehe 5.1.) rechtzeitig seine Märsche einstufen läßt, um termingerecht Märsche zu Wettkämpfen einsenden zu können, oder um einen neuen Marsch zu wählen, wenn die geforderte Mindestschwierigkeit der Klasse nicht erreicht wird.

4.2. Durchführung der Einstufung

Die Einstufung erfolgt durch die Mitglieder der Arbeitsgruppe Einstufung der Kommission Spielmannszüge unabhängig voneinander. Nach Einsendung der Ergebnisse an den Leiter der Arbeitsgruppe wird in jedem Kriterium der höchste und niedrigste Wert gestrichen. Der Mittelwert der verbleibenden Einstufungen wird wie unter 3. angegeben gerundet. Die Summe der acht Kriterien ergibt die Schwierigkeit des Marsches entsprechend Absatz 3. Aus den Ergebnissen berechnet dann der Leiter der Arbeitsgruppe das unwiderrufliche Endergebnis. Die sich ergebenden Werte werden den Arbeitsgruppenmitgliedern wieder übermittelt und dienen als Vergleichsgrundlage für weitere Einstufungen.

5. Dokumentierung der Einstufungsergebnisse

5.1. Mitteilung an den Zug

Die Schwierigkeitsnote des Musikstückes wird dem einreichenden Zug innerhalb von zwei Monaten mitgeteilt und kann veröffentlicht oder bekanntgegeben werden. Zwei der eingereichten Notensätze werden auf der Rückseite des ersten Blattes mit einem Kastenstempel versehen, auf dem die wichtigsten Daten des Marsches vermerkt werden. Alle Seiten des Notensatzes wird man auf der Rückseite fortlaufend mit einem Nummernstempel versehen sowie durch Kommissionsstempel und Unterschrift markieren. Bei allen Wettkämpfen werden nur Noten anerkannt, von denen ein Satz von der Kommission abgestempelt und eingestuft ist. Sie müssen den Absatz 4.1. Rechnung tragen.

Weitere Sätze, die man dem Kampfgericht vorlegt, können auf Vollständigkeit und Identität mit dem abgestempelten Satz verglichen werden. Dadurch sind für jedermann an jedem Ort Verwechslungen verschiedener Fassungen ausgeschlossen und die Einstufung kann vom Zug jederzeit vorgewiesen werden. Außerdem sind Notenveränderungen oder unvollständige Vorlage zum Wettkampf nach erfolgter Einstufung nicht mehr möglich.

5.2. Übermittlung von Zwischenergebnissen

Die Werte in den einzelnen Schwierigkeitskriterien und sämtliche Einstufungen der einzelnen Arbeitsgruppenmitglieder sind lediglich Arbeitsmaterialien der Arbeitsgruppe Einstufung und nicht zur Veröffentlichung oder anderweitigen Übermittlung oder Verwendung bestimmt. Erläuterungen von Details sind bei Anfragen über einen Marsch zulässig, soweit dies zur Klärung anstehender Fragen nötig ist. Der Briefverkehr mit den Zügen über Fragen der Arbeitsgruppe erfolgt nur durch den Leiter oder durch von ihm Beauftragte.

Alle Mitglieder der Arbeitsgruppe dürfen die eingereichten Noten der Züge und alle Materialien der AG nur zu ihrer Tätigkeit innerhalb der Arbeitsgruppe verwenden. Sie haben alle Informationen, die sie durch ihre Mitarbeit erhalten, als vertraulich zu betrachten und an niemanden weiterzugeben, insbesondere nicht an den eigenen Zug oder an andere Spielmannszüge. Sie haben ihre Einstufungen allein durchzuführen. Von jedem Mitglied der Arbeitsgruppe wird Schweigepflicht verlangt. Verstöße stellen einen groben Vertrauensbruch dar und sind eines Funktionärs unwürdig.

Rudolf Dedic

feierte vor wenigen Tagen, am 24. Juni, seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig das seltene 50-jährige Jubiläum als Spielmann. Den Spielleuten von Chemie Döbern ist Rudolf Dedic in jeder Hinsicht Vorbild. Den jüngeren Sportlern vermittelt der Jubilar mit großer Einsatzbereitschaft und dem Hintenanstellen persönlicher Interessen seinen Erfahrungsschatz.

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Patenbetriebe des Übungsverbandes der Musikschau kurz vorgestellt

VEB Kombinat Medizin- und Labortechnik Leipzig

Fanfarenbläser benötigten keine Beatmungsgeräte von »Medi«

Der VEB Kombinat Medizin- und Labortechnik Leipzig genießt nicht nur in unserem Land große Anerkennung. Narkose- und Beatmungsgeräte stehen in Krankenhäusern sämtlicher Erdteile und Exponate erhielten bereits mehrfach Gold auf internationalen Messen. Womit wir beim Thema wären. Die Produkte des Kombinats sind vor allem immer dann gefragt, wenn es gilt, Menschenleben zu retten oder zu erhalten: Geräte für den Atemschutz, für das Grubenrettungswesen, das Baukastensystem für die medizinische Versorgung (OP), Ausrüstungen für DMH-Wagen..,

Weiter auf der Visitenkarte des Kombinats im Telegrammstil: 16 Kombinatsbetriebe, etwa 1500 Beschäftigte, davon 700 Produktionsarbeiter, eine große Forschungsabteilung, 1977 bisher in jedem Monat Planerfüller.

Betreut werden vom Leipziger Stammbetrieb die 850 Mitglieder des Teilverbandes „Fanfaren“. Man gewährt dabei vor allem technisch-organisatorische Unterstützung. Und was bisher beiderseitig geleistet wurde und was noch ins Haus steht, kann sich sehen lassen. So die begeistert aufgenommenen Darbietungen zur Vertrauensleutevollversammlung oder während der Maifeier. Absoluter Knüller aber: Beim Betriebssportfest am 25. Juni — keine Frage, daß hier Mitglieder des Teilverbandes mit am Start waren und keine Beatmungsgeräte benötigten — gründeten die Werktätigen ihre eigene BSG.

Im Übungslager Rerik stellte der Betrieb mit Filmen ausführlich Erzeugnisse und deren Einsatzgebiete vor und am 22. Juli, also wenige Stunden vor „ultimo“, besucht man mit den Jugendlichen des Verbandes das große Volksfest im Schönauer Park des Stadtbezirkes West. Ja und dann kann’s eigentlich schon losgehen!

ANDREAS RENTZSCH

VEB Spezialbaukombinat

Vom Leipziger Uniriesen zu den Boxberger Kühltürmen

Auf ihr Konto geht der Bau so manchen Wahrzeichens in unserer Republik. Dabei vorwiegend verwendetes Material: Stahlbeton. Erwähnt seien hier nur der Gleitkern des Uniriesen in Leipzig oder die markanten Kühltürme des Kraftwerkes Boxberg. Um wen es geht? Um den VEB Spezialbaukombinat Magdeburg, Kombinatsbetrieb Beton- und Kühlturmbau Leipzig, Paten des etwa 300köpfigen Teilverbandes „Schalmeien“ des Übungsverbandes Musikschau.

60 Baustellen gibt es gegenwärtig in unserem Land, auf denen Werktätige dieses bedeutenden Baukombinats vertreten sind. 1600 Beschäftigte sind es insgesamt, davon 350 im Leipziger Betrieb, die neben den bereits erwähnten Objekten, vor allem für große Landwirtschaftsbauten wie Kraftfuttermischwerke, Getreidesilos verantwortlich zeichnen. In der Hauptstadt baut man gerade in der Leninstraße einen Hochhauskern und in Leipzig neue Magazintürme für die „Deutsche Bücherei“.

Geschlossen wurde der vier Seiten umfassende Patenschaftsvertrag am 21. Februar. Und in der Zwischenzeit geschah so einiges, um sich genau kennenzulernen und ein Vertrauensverhältnis entstehen zu lassen. In mehreren Ausgaben der Betriebszeitung stellten sich die Mitglieder des Teilverbandes vor und gaben Einblicke in ihre Arbeit. Und was besonders groß ankam: Sie erschienen zu Konzerten auf den Baustellen in Berlin und Gera. Freundschaftliche Begegnungen über den Zeitraum des „VI.“ hinaus, sind ein weiterer Vertragspunkt. Natürlich waren Spielleute des Teilverbandes beim großen „Start mit Bronze“ am 24. Juni dabei.

Die Leipziger werden sich vor allem auf die Herrichtung des Trainingsplatzes — der Aufbau eines Regieturms ist bereits abgeschlossen — konzentrieren. Weiterhin geht es um solche kleinen, großen Dinge wie die Unterstützung mit Schreibkräften, die Übernahme von Vervielfältigungskapazitäten und die Schaffung von Transportmöglichkeiten.

Beide Vertragspartner haben einen ständigen Vertreter benannt, der für die Koordinierung der verschiedenen Maßnahmen zuständig ist, ihre Realisierung veranlaßt und kontrolliert. „Das ist mal was ganz anderes für uns. Nicht gerade leicht, aber es macht unwahrscheinlich Spaß. Bisher geht alles seinen Gang, wäre ja auch gelacht. Wenn man so mit in die Vorbereitung dieser bedeutenden Veranstaltung einbezogen ist, bekommt man sofort ein anderes, engeres Verhältnis dazu“ — so Genosse Wolfgang Golz, Abteilungsleiter für Arbeits- und Lebensbedingungen.

ANDREAS RENTZSCH

VEB City-Werke Leipzig

Sonderschicht in City-Werken für die Spielleute des DTSB

Hin und wieder sieht man in Verkaufsstellen noch Waagen, die als äußeres Zeichen ihrer Herkunft „City-Werke Leipzig“ tragen. Nun, Waagen werden in diesem Betrieb im Nordosten der Stadt schon seit Jahren nicht mehr hergestellt. Aber aus der Skalenfertigung für die nicht nur im Handel unentbehrlichen Geräte entwickelte sich das jetzige Produktionsprofil: Schilder, Skalen, Blenden — auch Beschriftungsplatten geheißen — für alles und jeden in der DDR, der derartiges bedarf. Angefangen bei Hochseeschiffen, Leistungsschildern für elektrische Geräte bis hin zu Elektroorgeln vom Typ „Vermona“. Insgesamt sind es im Jahr nahezu 12 000 Aufträge, gebunden an etwa 3000 Vertragspartner. Dabei ist der Betrieb alles andere als groß: Im Hauptwerk sind es gerade 300 Werktätige, davon 80 Prozent Frauen; hinzu kommen noch sieben kleine Betriebsteile mit insgesamt 80 Beschäftigten.

Das Kollektiv der „City-Werke“ unterhält gesellschaftliche Beziehungen, die dem Betrachter von außerhalb mehr als Hochachtung abnötigen. Da wäre die seit zwei Jahren enge und herzliche Patenschaft mit der „Ernst-Schneller-Oberschule“. Alle gesellschaftlichen Höhepunkte, wie Feier- und Ehrentage, Sportfeste etc. werden gemeinsam begangen, was sich nicht auf die Präsenz einer Abordnung der Schule oder des Werkes beim Vertragspartner beschränkt. Da wäre weiterhin die Patenschaft zum Wohngebiet „Fliederhof“. All das verschmilzt zu einem harmonischen Block: Schule-Wohngebiet-Betrieb-BSG Motor Nordost, deren Trägerbetrieb die City-Werke sind.

So war es anfangs gar nicht so einfach, die Unterstützung für den Teilverband Spielmannszüge/Nachwuchs auch noch mit unter den bewußten Hut zu bringen. Parteisekretär Horst Haubenreisser dazu: „Wenn wir irgendwie helfen können, dann tun wir es. So waren noch Transport- und Versorgungsfragen zu klären. Und da gab es noch ein Problem: 6000 Schutzunterlagen für die Betten der Spielleute mußten her. Unsere Frauen zögerten keine Sekunde und legten eine Sonderschicht ’drauf.“

Ein wichtiges Instrument, um das alles fest im Griff zu behalten, ist der allmontägliche „Treff der gesellschaftlichen Betriebsorgane beim Parteisekretär“. Hier wird, angefangen bei Produktionsdiskussionen, über Fragen der Einhaltung verschiedener Maßnahmepläne usw., alles „wasserdicht“ gemacht, werden Verantwortlichkeiten festgelegt und kontrolliert. Und in jüngster Zeit sind es nun auch die Patenbeziehungen — gemeinsam mit dem im „tambour“ Nr .4 vorgestellten Metalleichtbaukombinat — zu den Nachwuchsspielleuten der Musikschau.

ANDREAS RENTZSCH

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