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Der Tambour/Ausgabe 1980 07: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Zu Besuch beim Fanfarenzug der SG Pionierhaus Hoyerswerda''' | |||
== | === An der Schwarzen Elster ertönen Spitzen-Fanfaren === | ||
'''Mit den Instrumenten vom Dachboden fing vor 17 Jahren alles an''' | |||
[[Datei:DerTambour1980-7-4-1.png|mini|'''SIE HABEN BEI JEDEM AUFTRITT IHR PUBLIKUM:''' die Spielleute des Fanfarenzuges der SG Pionierhaus Hoyerswerda.]] | |||
Er hat sich in den zurückliegenden Jahren immer mehr in den Vordergrund gespielt, der Fanfarenzug des Pionierhauses Hoyerswerda. Unter Leitung Hans-Dieter Kjesas entwickelte sich ein Klangkörper, der heute weit über die Grenzen des Bezirkes Cottbus hinaus bekannt und beliebt ist. 145 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 25 Jahren gehören gegenwärtig zur Sektion Spielleute der SG Pionierhaus Hoyerswerda. Unter ihnen allein 100 Bläser, die auch auf den Umschaltfanfaren ausgebildet wurden. | |||
Hans-Dieter Kjesa weist die Chronik des Zuges als Gründer aus. Und dies ist mittlerweile 17 Jahre her. Der Pädagoge hatte bereits während seines Studiums am Institut für Lehrerbildung in Dresden Berührung mit der Spielleutemusik:. „Ich spielte damals mit großer Begeisterung selbst im Fanfarenzug und holte mir hier die ersten Kenntnisse über die Musik des Spielmannes“ resümierte er. | |||
Der gebürtige Mecklenburger, der nach dem Studium dem Ruf des wachsenden Industriegiganten an der Schwarzen Elster folgte und in Hoyerswerda seßhaft wurde, begann an der 4. Polytechnischen Oberschule seine pädagogische Tätigkeit. Dort entdeckte Hans-Dieter Kjesa auf dem Dachboden alte und neuere Fanfaren, auch Trommeln. Dem wollte der einstige Spielmann nicht tatenlos zusehen, zumal auch die Schulleitung an der Bildung einer „Musikgruppe“ sehr interessiert war. | |||
Hans-Dieter Kjesa ließ sich nicht lange bitten und begann mit dem Aufbau des Hoyerswerdaer Klangkörpers. Der 2. April 1963 gilt als der offizielle Gründungstag des Fanfarenzuges, nachdem er mit einem Umzug durch die zweitgrößte Stadt des Energiebezirkes aus der Taufe gehoben wurde. Zunächst waren es 15 Jungen, die praktisch nur eine Signalbläsergruppe bildeten. Bei Appellen an der Schule und anderswo war die Kjesa-Truppe fortan sehr gefragt. Aus diesen Anfängen entstand der heutige umfangreiche Fanfarenzug, der auf über 800 Auftritte in allen Bezirken unserer Republik verweisen kann. Hans-Dieter Kjesa erinnert sich noch an den ersten Titel, mit dem 1965 die Kreismeisterschaft gewonnen wurde. | |||
Das Jahr 1970 brachte eine bedeutungsvolle Zäsur für den Klangkörper, die für den weiteren Entwicklungsweg ausschlaggebend sein sollte. Der Kjesa-Zug und einige kleinere aus Hoyerswerda schlossen sich dem Pionierhaus an. Seine Premiere hatte die neue anspruchsvolle Formation des Fanfarenzuges beim 6. Pioniertreffen, das in Hoyerswerda eröffnet wurde. | |||
Auf viele Höhepunkte ihres Wirkens blicken die Jungen und Mädchen jetzt zurück. Der Gewinn der Bronzemedaille bei den DDR-Meisterschaften dieses Jahres in Hettstedt gehört dazu. Bereits im Vorjahr hatte der Sonderklassen-Klangkörper bei den Elsterberger Titelkämpfen diesen Platz belegt. „Natürlich freuen uns diese Erfolge“, konstatierte Hans-Dieter Kjesa, „aber wir haben uns schon höhere Ziele gestellt. Das Ziel soll es sein, an den überragenden Zug von Dynamo Potsdam näher heranzukommen. Die Potsdamer setzen gegenwärtig die Maßstäbe für die gesamte Fanfarenmusik. Und die bilden auch die Orientierungspunkte für unseren Zug.“ | |||
Die Freunde aus Hoyerswerda bemängeln die fehlende Basis ihres Klangkörpers. Die Zusammenarbeit mit Berufskünstlern liegt noch immer sehr im Argen. Auch der fehlende Trägerbetrieb macht sich natürlich oft nachteilig bemerkbar. Beispielsweise steht für Trainingsstunden nur ein Werkraum in der 4. POS zur Verfügung. Da ist es nur mit exakter Planung möglich, allen neun Trainingsgruppen gleiche Bedingungen zu schaffen. Geprobt wird in den Gruppen der Bläser jeweils für die Stimmen I, II, III und IV, die Hochtrommler, die Marschtrommler, zwei Gruppen für Anfänger-Bläser, einer Trommler-Gruppe und einer für Stabführer. | |||
Jede einzelne Übungsgruppe besitzt einen eigenen Trainings- und Arbeitsplan. Sehr günstig auf die Leistungsentwicklung wirkt sich die Arbeit des FDJ-Aktivs aus. Unter Leitung Sabine Bürgers wertet es die Auftritte aus, beschäftigt sich mit der Disziplin und berät im Kollektiv auch künftige Titel, die das Repertoire des Zuges bereichern sollen. | |||
Das Hoyerswerdaer Repertoire umfaßt momentan 25 Titel vom Pioniermarsch Nr. 1 bis hin zum Marsch der Jugendbrigaden, den der Cottbuser Komponist Johannes Hütten für den Fanfarenzug schrieb. | |||
Unvergessen bleibt den Jungen und Mädchen der ehrenvolle Auftritt zum IX. Parteitag der SED in Berlin. Auch ihr Mitwirken am V. Festival der FDJ und des Leninschen Komsomol in Karl-Marx-Stadt und die Teilnahme am sorbischen Festival 1980 in Bautzen ist in der Chronik besonders vermerkt. Hier war der Klangkörper der einzige Fanfarenzug in einer eindrucksvollen Estrade, die der sorbische Komponist Alfons Janze gestaltete. Das gesamte Programm wird am 14. September bei den diesjährigen Spreewaldfestspielen nochmals aufgeführt. | |||
Ein klassenbewußtes Verhältnis haben die Jungen und Mädchen aus Hoyerswerda zur internationalen Solidarität. Sie spenden regelmäßig Gelder zu diesem Zweck. Und auch das spricht für das gesellschaftliche Wirken des Zuges: Sie verzichteten auf Aufwandsentschädigungen, die sie für Auftritte erhielten, und überwiesen 500 Mark dem Tiergarten Hoyerswerda zur Anschaffung eines Ponys. | |||
'''HANS-JOACHIM SCHULZE''' | |||
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Version vom 3. August 2026, 13:20 Uhr
Dies ist die originale Wiedergabe der entsprechenden Einzel-Ausgabe von „der tambour“ zum Zweck der einfachen Durchsuchbarkeit. Aus archivarischen Gründen wurde bewusst darauf verzichtet, Wortlaute zu ändern. Für die Inhalte sind die entsprechenden Original-Autoren verantwortlich. Ansichten, Meinungen oder Aufrufe spiegeln die damaligen Gegebenheiten wider und nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers!
Die Ausgabe 07/1980 des Mitteilungsblattes „der tambour“ erschien im Juli 1980.
Der Originaltext der 8 Seiten:
| Juli 1980 | |
| Nummer: | 7/80 |
| Erschienen: | Juli 1980 |
| Jahrgang: | 13 |
| Seiten: | 8 |
| Zur Übersicht aller Ausgaben | |
Seite 1
HEUTE AUF SEITE
| 3 | Und nun ein Konzert auf dem Roten Platz |
| 4 | Spitzen-Fanfaren ertönen an der Schwarzen Elster |
| 6 | Rekord-Teilnahme beim Fest von Finsterwalde |

Seite 2


Oberharzer immer besser
Spielleutemusik erklang im Oberharz schon Mitte der fünfziger Jahre. Werner Kutz, Stellvertreter des Direktors der Polytechnischen Oberschule Stiege, hatte hier einen Fanfarenzug gegründet. Oft war Werner Kutz an den Wochenenden im Doppeleinsatz. Erst trat er mit dem Fanfarenzug auf, dann führte er als Kapitän die Fußballspieler von Traktor Stiege aufs Spielfeld. Doch mit der Zeit der Jahre blieb der Fanfarenzug leider nicht lebensfähig. Da aber immer wieder Interesse für die Musik der Spielleute bestand, bot 1970 Sportfreund Liban vom Spielmannszug aus Hasselfelde seine Hilfe zur Entwicklung einer Sektion Spielleute an der POS Stiege an.
Und diese Hilfe zeigte Früchte. So gehören ihr gegenwärtig 36 Jungen, ausnahmslos Schüler der 2. bis 10. Klasse, sowie zahlreiche ehemalige Schüler der POS Stiege an. In Stiege selbst gibt es noch einen weiteren Spielmannszug. Doch bleiben wir beim Klangkörper der Oberschüler. Seit fünf Jahren betreut Hans Spieß den Schüler-Klangkörper. Unter seiner musikalischen Leitung wird der Zug immer besser, in Wettkämpfen erfolgreicher. Zweimal wöchentlich je drei Stunden intensives Üben steht auf dem Trainingsplan. Vor Wettkämpfen kommt ein dritter Trainingsnachmittag pro Woche hinzu.
Zur diesjährigen Kreisspartakiade spielten sich die Stieger Schüler auf den bronzenen Platz. Dabei vermochte man in musikalischer Hinsicht mit den besten Klangkörpern der Kreisspartakiade durchaus mitzuhalten, indes mit dem exakten Marschieren haben die Stieger noch ihre Probleme und mußten dadurch Punktabzüge hinnehmen. Doch hier wird Hans Spieß sicherlich seine Erfahrungen vom Wachregiment, dort gehörte er nämlich dem NVA-Spielmannszug an, den Jungen vermitteln können.
Aufbau Brandenburg wurde Spartakiadesieger
Es ist ein sichtbares Zeichen des ständig steigenden Ansehens der Spielleute, daß unsere Sportart nun auch zum festen Wettkampfprogramm der Bezirksspartakiaden gehört. Der Spielleutenachwuchs kämpft also um Spartakiademedaillen. Dies war auch im Bezirk Potsdam so. Neben der musikalischen Umrahmung der festlichen Eröffnungs- und Abschlußveranstaltung standen sich auf der Potsdamer Freundschaftsinsel die Nachwuchs-Klangkörper des flächenmäßig größten Bezirkes unserer Republik im Medaillenwettstreit gegenüber. Leider entsprachen die Bodenverhältnisse nicht den Anforderungen, die wir Spielleute an solch einen Wettkampf stellen. Trotz allem erlebten wir viele gute Leistungen von den Jungen und Mädchen.
Bei den Jugend-Kollektiven kam es zu einer packenden Auseinandersetzung zwischen Aufbau Brandenburg und Traktor Pritzwalk, die die Brandenburger schließlich ganz knapp für sich entschieden. Bemerkenswert auch hier die Darbietung von Chemie Premnitz, die zu recht mit der Bronzemedaille geehrt wurden.
Einen Brandenburger Sieg gab es auch bei den Jüngsten. Aufbau holte sich Gold vor der großen Überraschung dieser Spartakiadewettkämpfe, dem Zug aus Mittenwalde. Der Nachwuchszug der SG Mittenwalde besteht erst ein Jahr. Und trotzdem vermochten die Kinder im Alter zwischen 8 und 13 Jahren schon einen erstaunlichen Leistungsstand nachzuweisen. Es war ihr erster Wettkampf überhaupt. Und dann gleich Silber. Ein hervorragender Einstand.
Leider fehlten zur Bezirksspartakiade die Züge von Stahl Brandenburg und Motor Treuenbrietzen, obwohl sie vorher ihre Teilnahmemeldung abgegeben hatten (von den Wettkämpfen der anderen Bezirksspartakiaden liegen der Redaktion keinerlei Informationen vor. Offensichtlich besteht in den anderen Bezirken kein Interesse an einer Veröffentlichung der Auftritte ihres Nachwuchses).
BERND NEUMANN
Das Kampfgericht der DDR-Meisterschaft
Zur DDR-Meisterschaft der Erwachsenen-Spielmannszüge in Apolda fungierte folgendes Kampfgericht:
Hauptkampfrichter: Dieter Weise (Hettstedt).
Hauptpunkt I: E. Dietrich (Leipzig), B. Clauß (Leipzig), B. Schramm (Magdeburg), B. Neumann (Mittenwalde).
Hauptpunkt II: W. Röglin (Schwedt), M. Freitag (Radeberg), L. Lier (Suhl), M. Irrgang (Magdeburg).
Hauptpunkt III: B. Sasse (Magdeburg), K. Triebel (Luisenthal), D. Malchow (Pritzwalk), L. Ertel (Potsdam).
Hauptpunkt IV: K. Tägener (Brandenburg), B. Kipp (Babelsberg), U. Zimmermann (Freital), K. Simmang (Radeberg).
Mandat: H. Dietrich (Leipzig), A. Dietrich (Leipzig), R. Theile (Apolda).
Berechnung: D. Knoppe (Ruhland), G. Ruhland (Ruhland).
Sprecher: W. Kunde (Heyerode).
Anmerkung: Die Disqualifikation des Spielmannszuges von Chemie Geraberg erfolgte wegen Verstoß der Wettkampfordnung Punkt 2.2.1.
Neue Telefonnummer
Die Redaktion des „tambour“ ist ab sofort unter einer neuen Telefonnummer erreichbar. Günther Gießler, 7033 Leipzig, Lützner Plan 17. Telefon: Privat: Leipzig 4 64 93. Dienstlich: Leipzig 7 15 43 37 oder 31 11 09 (Sportredaktion der „Leipziger Volkszeitung“).
Seite 3
TAMBOUR-INTERVIEW
mit Leo Ertel, Leiter des Fanfarenzuges von Dynamo Potsdam
Und nun ein Konzert auf dem Roten Platz

Fragt man bei von der Spielleutemusik unbedarften Sportlern nach einem Klangkörper des DTSB, erhält man zumeist den Namen der Potsdamer genannt. Tatsächlich hat der Fanfarenzug von Dynamo Potsdam-Stadt einen Bekanntheitsgrad in unserem Land erreicht, den man vor wenigen Jahren noch nicht für möglich hielt. Dies ist nicht zufällig so. Die Potsdamer haben das Leistungsniveau ihres Genres in neue Regionen geführt, sie machen attraktive, publikumswirksame Fanfarenmusik. Wir nahmen dies zum Anlaß, um den Leiter dieses Kollektivs, den 29jährigen Pädagogen Leo Ertel, nach den Ursachen und Methoden für solch beispielhafte Entwicklung zu fragen. Leo Ertel ist Mitglied der Zentralen Spielleutekommission und Vorsitzender der Kommission Fanfaren.
- Bei jedem Wettkampf mit den Potsdamern ist der überlegene Sieger von vornherein gegeben. Wie macht ihr das bloß?
„Mit umfangreichem, effektivem Training in einer Atmosphäre, die Höchstleistungen zuläßt.“
- Was verstehst Du unter solch einer Atmosphäre?
„Da gehören viele Dinge zusammen. Ein Kollektiv wird erst zur verschworenen Truppe, wenn alles stimmt. Bei uns beschränkt sich das Zusammensein eben nicht nur auf das Training und die Auftritte, sondern wir machen in Potsdam auch sonst viel gemeinsam. Da spielen wir ’mal Fußball, Handball oder versuchen uns in der Leichtathletik, da gibt es Diskoabende, Faschingsfeiern und andere Veranstaltungen, die bei uns keine Nebensache sind, sondern den kollektiven Zusammenhalt fördern helfen. Und dann verstehen wir unter Bildungs- und Erziehungsarbeit auch das intensive Auseinandersetzen mit gesellschaftlichen Zusammenhängen. Selbstverständlich hat das Beschäftigen mit dem Leben unseres unvergessenen Dr. Richard Sorge besondere Bedeutung. Seine Vorbildwirkung auf unsere Jungen und Mädchen ist unbestritten.“
- Wie sieht euer Trainingsumfang aus?

„Jedes Mitglied hat zweimal Training pro Woche. Vor Höhepunkten wird der Umfang natürlich erhöht. Vor DDR-Meisterschaften wird drei Wochen lang täglich geübt, auch an Sonnabenden und Sonntagen.“
- Wieviel Mitglieder hat der Zug gegenwärtig?
„Wir haben 120 gute Leute, von denen immer 97 zu den Auftritten herangezogen werden.“
- Nachwuchssorgen kennt man in Potsdam nicht?
„Das Interesse für unseren Zug ist groß. So legen wir auch strenge Maßstäbe an, müssen schulische Leistungen und Gesamtverhalten der Kandidaten den hohen Anforderungen entsprechen. Wir nehmen jeweils im September die Neuen auf, wobei das Mindestalter zehn Jahre betragen muß.“
- Wann kommen diese Neulinge in den Meisterklangkörper?
„Das hängt von jedem selber ab. Beispielsweise waren bei der DDR-Meisterschaft dieses Jahres sechs dabei, die erst im September 1979 begannen.“
- Habt ihr nur Schüler im Klangkörper?
„Keineswegs. Etwa 60 Freunde sind Jungfacharbeiter oder Lehrlinge. Natürlich sind auch EOS-Schüler im Zug, die ausnahmslos vorbildliche Lernergebnisse aufweisen. Ich denke hier nur an die Hochtrommlerin Katrin Gesierich, die in eine Spezialschule für Mathematik geht und einen Zensurendurchschnitt von 1,2 hat. Auch Olaf Kuppi, Flachtrommler im Zug, kann einen Notendurchschnitt von 1,2 vorlegen.“
- Schulzeugnisse spielen also bei den Dynamos eine wichtige Rolle?
„Wir haben ein sehr gut arbeitendes FDJ-Aktiv, das zweimal jährlich die Zeugnisse kontrolliert. Übrigens ist es nicht selten, daß wir uns gegenseitig beim Lernen helfen. Auch dies gehört zum gesunden Klima in unserem Zug.“
- Ihr seit vom Sekretariat der SED-Bezirksleitung Potsdam mit einer besonderen Auszeichnung geehrt worden.

„Ja, dies macht uns alle sehr glücklich und verpflichtet künftig zu noch besseren Leistungen. Wir dürfen mit 127 Mitgliedern vom 12. bis 23. September die Sowjetunion besuchen. Moskau, Leningrad und Minsk werden die Reiseziele sein. Natürlich bereiten wir uns intensiv darauf vor, wollen wir nach unseren großartigen Olympioniken auch das hohe Niveau der Spielleutebewegung unseres Landes in der UdSSR unter Beweis stellen.“
- Also geht es mit den Instrumenten auf Reise?
„Selbstverständlich. Wir möchten auf dem Roten Platz in der sowjetischen Metropole und in der Allunionsausstellung Konzerte geben. In Leningrad vor der ‚Aurora‘.”
- Was wollt ihr dort bieten?
„Wir führen unsere Musikschau auf. Natürlich haben wir uns noch etwas Besonderes einfallen lassen. In einem dreiwö-
(Fortsetzung auf Seite 8)
Seiten 4 & 5
Zu Besuch beim Fanfarenzug der SG Pionierhaus Hoyerswerda
An der Schwarzen Elster ertönen Spitzen-Fanfaren
Mit den Instrumenten vom Dachboden fing vor 17 Jahren alles an

Er hat sich in den zurückliegenden Jahren immer mehr in den Vordergrund gespielt, der Fanfarenzug des Pionierhauses Hoyerswerda. Unter Leitung Hans-Dieter Kjesas entwickelte sich ein Klangkörper, der heute weit über die Grenzen des Bezirkes Cottbus hinaus bekannt und beliebt ist. 145 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 25 Jahren gehören gegenwärtig zur Sektion Spielleute der SG Pionierhaus Hoyerswerda. Unter ihnen allein 100 Bläser, die auch auf den Umschaltfanfaren ausgebildet wurden.
Hans-Dieter Kjesa weist die Chronik des Zuges als Gründer aus. Und dies ist mittlerweile 17 Jahre her. Der Pädagoge hatte bereits während seines Studiums am Institut für Lehrerbildung in Dresden Berührung mit der Spielleutemusik:. „Ich spielte damals mit großer Begeisterung selbst im Fanfarenzug und holte mir hier die ersten Kenntnisse über die Musik des Spielmannes“ resümierte er.
Der gebürtige Mecklenburger, der nach dem Studium dem Ruf des wachsenden Industriegiganten an der Schwarzen Elster folgte und in Hoyerswerda seßhaft wurde, begann an der 4. Polytechnischen Oberschule seine pädagogische Tätigkeit. Dort entdeckte Hans-Dieter Kjesa auf dem Dachboden alte und neuere Fanfaren, auch Trommeln. Dem wollte der einstige Spielmann nicht tatenlos zusehen, zumal auch die Schulleitung an der Bildung einer „Musikgruppe“ sehr interessiert war.
Hans-Dieter Kjesa ließ sich nicht lange bitten und begann mit dem Aufbau des Hoyerswerdaer Klangkörpers. Der 2. April 1963 gilt als der offizielle Gründungstag des Fanfarenzuges, nachdem er mit einem Umzug durch die zweitgrößte Stadt des Energiebezirkes aus der Taufe gehoben wurde. Zunächst waren es 15 Jungen, die praktisch nur eine Signalbläsergruppe bildeten. Bei Appellen an der Schule und anderswo war die Kjesa-Truppe fortan sehr gefragt. Aus diesen Anfängen entstand der heutige umfangreiche Fanfarenzug, der auf über 800 Auftritte in allen Bezirken unserer Republik verweisen kann. Hans-Dieter Kjesa erinnert sich noch an den ersten Titel, mit dem 1965 die Kreismeisterschaft gewonnen wurde.
Das Jahr 1970 brachte eine bedeutungsvolle Zäsur für den Klangkörper, die für den weiteren Entwicklungsweg ausschlaggebend sein sollte. Der Kjesa-Zug und einige kleinere aus Hoyerswerda schlossen sich dem Pionierhaus an. Seine Premiere hatte die neue anspruchsvolle Formation des Fanfarenzuges beim 6. Pioniertreffen, das in Hoyerswerda eröffnet wurde.
Auf viele Höhepunkte ihres Wirkens blicken die Jungen und Mädchen jetzt zurück. Der Gewinn der Bronzemedaille bei den DDR-Meisterschaften dieses Jahres in Hettstedt gehört dazu. Bereits im Vorjahr hatte der Sonderklassen-Klangkörper bei den Elsterberger Titelkämpfen diesen Platz belegt. „Natürlich freuen uns diese Erfolge“, konstatierte Hans-Dieter Kjesa, „aber wir haben uns schon höhere Ziele gestellt. Das Ziel soll es sein, an den überragenden Zug von Dynamo Potsdam näher heranzukommen. Die Potsdamer setzen gegenwärtig die Maßstäbe für die gesamte Fanfarenmusik. Und die bilden auch die Orientierungspunkte für unseren Zug.“
Die Freunde aus Hoyerswerda bemängeln die fehlende Basis ihres Klangkörpers. Die Zusammenarbeit mit Berufskünstlern liegt noch immer sehr im Argen. Auch der fehlende Trägerbetrieb macht sich natürlich oft nachteilig bemerkbar. Beispielsweise steht für Trainingsstunden nur ein Werkraum in der 4. POS zur Verfügung. Da ist es nur mit exakter Planung möglich, allen neun Trainingsgruppen gleiche Bedingungen zu schaffen. Geprobt wird in den Gruppen der Bläser jeweils für die Stimmen I, II, III und IV, die Hochtrommler, die Marschtrommler, zwei Gruppen für Anfänger-Bläser, einer Trommler-Gruppe und einer für Stabführer.
Jede einzelne Übungsgruppe besitzt einen eigenen Trainings- und Arbeitsplan. Sehr günstig auf die Leistungsentwicklung wirkt sich die Arbeit des FDJ-Aktivs aus. Unter Leitung Sabine Bürgers wertet es die Auftritte aus, beschäftigt sich mit der Disziplin und berät im Kollektiv auch künftige Titel, die das Repertoire des Zuges bereichern sollen.
Das Hoyerswerdaer Repertoire umfaßt momentan 25 Titel vom Pioniermarsch Nr. 1 bis hin zum Marsch der Jugendbrigaden, den der Cottbuser Komponist Johannes Hütten für den Fanfarenzug schrieb.
Unvergessen bleibt den Jungen und Mädchen der ehrenvolle Auftritt zum IX. Parteitag der SED in Berlin. Auch ihr Mitwirken am V. Festival der FDJ und des Leninschen Komsomol in Karl-Marx-Stadt und die Teilnahme am sorbischen Festival 1980 in Bautzen ist in der Chronik besonders vermerkt. Hier war der Klangkörper der einzige Fanfarenzug in einer eindrucksvollen Estrade, die der sorbische Komponist Alfons Janze gestaltete. Das gesamte Programm wird am 14. September bei den diesjährigen Spreewaldfestspielen nochmals aufgeführt.
Ein klassenbewußtes Verhältnis haben die Jungen und Mädchen aus Hoyerswerda zur internationalen Solidarität. Sie spenden regelmäßig Gelder zu diesem Zweck. Und auch das spricht für das gesellschaftliche Wirken des Zuges: Sie verzichteten auf Aufwandsentschädigungen, die sie für Auftritte erhielten, und überwiesen 500 Mark dem Tiergarten Hoyerswerda zur Anschaffung eines Ponys.
HANS-JOACHIM SCHULZE

