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Der Tambour/Ausgabe 1978 08: Unterschied zwischen den Versionen

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'''1. DDR-Meisterschaften der Fanfarenzüge'''
=== Ein glanzvoller Meister: Potsdamer Fanfarenzug ===
'''Allein neun Neuschöpfungen von Dynamo Potsdam / Auch Lob für Stahl Hettstedt'''
'''Die 1. DDR-Meisterschaften der Fanfarenzüge im Mansfeldischen Ziegelrode waren in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte, attraktive Titelkämpfe. Da sind die niveauvollen Darbietungen der Sonderklassen-Kollektive mit dem alles überragenden Fanfarenzug „Dr. Richard Sorge“ von Dynamo Potsdam Stadt zu nennen, verdient die glänzende Organisation durch die Mitglieder des Spielmannzuges (!) von MK Ziegelrode um den rührigen Gerhard Schobes höchste Anerkennung. Es ist in unserer Spielleutebewegung ohne Beispiel, daß Spielleute eines bestimmten Genres für ein anderes Genres die Veranstaltung organisierte. Dafür den Ziegelrodern unseren Dank. Auch für das bewegende Eröffnungszeremoniell im Ziegelroder Waldstadion. Zahlreiche Ehrengäste, an der Spitze Ernst Wied, 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Mansfeld-Kombinat, wurden von den Spielleuten und Zuschauern herzlich begrüßt. Die Solo-Fanfarengruppe von Dynamo Potsdam umrahmte diese Veranstaltung, die zu einem Höhepunkt der Spielleutebewegung wurde.'''
Doch nun zu den Wettkämpfen selbst. Ohne die Leistungen der Sonderklassen-Fanfarenzüge schmälern zu wollen, die allesamt das Niveau vom VI. Turn- und Sportfest 1977 in Leipzig zu halten vermochten, Dynamo Potsdam nimmt zur Zeit eine Ausnahmeposition ein. Es gibt derzeit keinen Klangkörper in unserer Republik, der in seinem Genre so überlegen dominiert. In Potsdam wird eine hervorragende Arbeit geleistet, die Maßstäbe setzt für die Spielleute insgesamt. In Ziegelrode bot das Kollektiv unter Stabführer Dietmar Siegemund den nahezu 5 000 Zuschauern elf Titel, davon allein neun Neuschöpfungen.
Der 97 Mitwirkende umfassende Klangkörper, etwa ein Drittel davon fingen erst nach dem „VI.“ mit der Spielmannsmusik an, hatte das schwierigste, das anspruchsvollste Repertoire. Verblüffend der Dakotamarsch, den die Potsdamer mit einem völlig neuartigem Rhythmus spielten, verhältnismäßig langsam geradezu „unter die Haut gehend“. Premiere hatte auch der „Manövermarsch“, für den es wie für die meisten anderen Titel Beifall auf offener Szene gab. Gelungen die Idee mit dem „umgekrempelten“ Festmarsch, der die Zuschauer in ausgesprochene feierliche Stimmung versetzte. Die Vielseitigkeit der Potsdamer brachte auch der schmissige Beatmarsch zum Ausdruck, der fast zum Tanzen verleitete. Dies alles wurde technisch perfekt vorgetragen. Hinzu kam, daß hier Musik und originelle Choreographie eine homogene Einheit bildeten, sich gegenseitig geschickt ergänzten.
Wie überlegen der Fanfarenzug „Dr. Richard Sorge“ war, kommt auch im Punktabstand zum Nächstplazierten zum Ausdruck. Vizemeister Stahl Hettstedt hatte mit über 25 Zählern einen ungewöhnlichen Rückstand, der übrigens nicht gegen die Hettstedter, sondern für die brillanten Potsdamer spricht. Hettstedt schuf nämlich mit diesem zweiten Platz keine geringe Überraschung im erfreulichem Sinne. Erst 1976 war dieser Fanfarenzug in die Sonderklasse aufgestiegen und konnte nun solch profilierte Klangkörper wie eben Greiz, Teichwolframsdorf und Einheit Pädagogik Leipzig hinter sich lassen.
Die Leipziger blieben doch etwas unter den Erwartungen. Hier konnte die vor kurzem vorgenommene starke Verjüngung des Klangkörpers nicht nahtlos vollzogen werden. Unverständlich blieb in Ziegelrode das Fehlen des Klangkörpers aus Nordhausen. Uns ist nicht bekannt, warum die ansonsten rührigen Lok-Sportler aus dem Harzer Vorland den Meisterschaften fernblieben.
Zu den Höhepunkten gehörte das eindrucksvolle Kampfmeeting am Lenindenkmal in Eisleben, das auch vom strömenden Regen nicht beeinträchtigt werden konnte. Dem Zentralen Fanfarenzung des DTSB der DDR wurde hier das „Artur-Becker-Ehrenbanner“ überreicht (wir informierten bereits auf Seite 1 darüber).
'''Resultate:'''
{| class="wikitable"
|'''1.'''
|'''Dynamo Potsdam'''
|'''84,60'''
|-
|'''2.'''
|'''Stahl Hettstedt'''
|'''59,47'''
|-
|'''3.'''
|'''Greika Greiz'''
|'''52,60'''
|-
|'''4.'''
|'''Teichwolframsdorf'''
|'''51,38'''
|-
|'''5.'''
|'''Einh. Pädagogik Leipzig'''
|'''48,60'''
|}
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[[Datei:DerTambour1978-8-2-1.png|mini]]
Machen wir uns nichts vor, das rein sportliche Training in unseren Sektionen und Klangkörpern genießt noch nicht jene Aufmerksamkeit, die notwendig ist. Damit man mich nicht falsch versteht, hier soll keineswegs der wöchentlichen aktiven Sportstunde auf Kosten der musikalischen Ausbildung das Wort geredet werden, es geht um die zusätzliche, regelmäßig (!) betriebene Sportstunde.
Fanfare und Lyra, Trommel und Schalmeie sollten wir einmal in der Woche (oder zumindest alle 14 Tage) für 60 Minuten gegen den Sportdreß eintauschen, um etwas Leichtathletik zu treiben, Fuß- oder Handball zu spielen, zu turnen oder an frischer Luft etwas zu laufen. Aktive sportliche Betätigung gehört heutzutage zur gesunden Lebensweise der Bürger unseres Landes, für einen Spielmann ist sie geradezu unerläßlich, wenn er auf Dauer gute Leistungen in seinem Klangkörper vollbringen, wenn er bestehen will.
''Eine'' willkommene Bereicherung dieses Fitneßprogramms ist die Erfüllung der Bedingungen für das Sportabzeichen. Auf dem VI. Turn- und Sporttag wurde aus gutem Grund die Forderung erhoben, daß jedes Mitglied des DTSB der DDR einmal jährlich die Sportabzeichenbedingungen erfüllt. Nun sagen sicherlich nicht wenige, na und, das haben wir ja in diesem Jahr längst gemacht. Doch die fünf Grundbedingungen für Bronze an einem Sonntagnachmittag absolvieren ist eine Seite, indes regelmäßig Sport zu treiben eine andere. In allen Sphären des gesellschaftlichen Lebens streben wir ständig höhere Leistungen an. Warum geben wir uns eigentlich bei der Sportabzeichenprüfung mit acht Punkten zufrieden, die für den Erwerb von „Bronze“ ausreichen? Muß sich ein 20jähriger Spielmann mit 15 min im 3000-m-Lauf, drei Klimmzügen, 6 m im Dreierhopp, 14,8 s im Schlängellauf und 25 Ringen beim Schießen abfinden? Ich meine nein. Natürlich ist kontinuierliches Training erforderlich, um beispielsweise elf Klimmzüge zu schaffen oder die 3000 m in 12:20 min zu bewältigen, um die Maximalpunktzahl zu erreichen. Aber dazu ist eben regelmäßiges Training erforderlich. Und genau darauf kommt es uns an.
'''GÜNTHER GIESSLER'''


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Version vom 5. Mai 2026, 13:20 Uhr

Dies ist die originale Wiedergabe der entsprechenden Einzel-Ausgabe von „der tambour“ zum Zweck der einfachen Durchsuchbarkeit. Aus archivarischen Gründen wurde bewusst darauf verzichtet, Wortlaute zu ändern. Für die Inhalte sind die entsprechenden Original-Autoren verantwortlich. Ansichten, Meinungen oder Aufrufe spiegeln die damaligen Gegebenheiten wider und nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers!

August 1978
Nummer: 8/78
Erschienen: 08/1978
Jahrgang: 11
Seiten: 6
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Seite 1

HEUTE AUF SEITE

2 Ein glanzvoller Meister: Potsdamer Fanfarenzug
4 Die höchsten Noten bei den Schalmeienkapellen
5 Mühlhausener beherrschten die Szenerie

Hohe Ehrung für den Zentralen Fanfarenzug

Während der 1. DDR-Meisterschaften der Fanfarenzüge in Ziegelrode, die von Dynamo Potsdam souverän gewonnen wurden, erfuhr der Zentrale Fanfarenzug des DTSB der DDR eine hohe Ehrung. Dieser Klangkörper erhielt für seine hervorragenden Leistungen bei den verschiedensten Auftritten zu gesellschaftlichen Höhepunkten das „Artur-Becker-Ehrenbanner“. Der Zentrale Fanfarenzug hat mit seinem Auftreten in der Öffentlichkeit große Verdienste für das Ansehen der Spielleute erworben und das Anliegen unseres Sports auf massenwirksame Weise dargestellt. Dem Auswahl-Fanfarenzug gilt unser allerherzlichster Glückwunsch zur Verleihung des Ehrenbanners.

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1. DDR-Meisterschaften der Fanfarenzüge

Ein glanzvoller Meister: Potsdamer Fanfarenzug

Allein neun Neuschöpfungen von Dynamo Potsdam / Auch Lob für Stahl Hettstedt

Die 1. DDR-Meisterschaften der Fanfarenzüge im Mansfeldischen Ziegelrode waren in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte, attraktive Titelkämpfe. Da sind die niveauvollen Darbietungen der Sonderklassen-Kollektive mit dem alles überragenden Fanfarenzug „Dr. Richard Sorge“ von Dynamo Potsdam Stadt zu nennen, verdient die glänzende Organisation durch die Mitglieder des Spielmannzuges (!) von MK Ziegelrode um den rührigen Gerhard Schobes höchste Anerkennung. Es ist in unserer Spielleutebewegung ohne Beispiel, daß Spielleute eines bestimmten Genres für ein anderes Genres die Veranstaltung organisierte. Dafür den Ziegelrodern unseren Dank. Auch für das bewegende Eröffnungszeremoniell im Ziegelroder Waldstadion. Zahlreiche Ehrengäste, an der Spitze Ernst Wied, 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Mansfeld-Kombinat, wurden von den Spielleuten und Zuschauern herzlich begrüßt. Die Solo-Fanfarengruppe von Dynamo Potsdam umrahmte diese Veranstaltung, die zu einem Höhepunkt der Spielleutebewegung wurde.

Doch nun zu den Wettkämpfen selbst. Ohne die Leistungen der Sonderklassen-Fanfarenzüge schmälern zu wollen, die allesamt das Niveau vom VI. Turn- und Sportfest 1977 in Leipzig zu halten vermochten, Dynamo Potsdam nimmt zur Zeit eine Ausnahmeposition ein. Es gibt derzeit keinen Klangkörper in unserer Republik, der in seinem Genre so überlegen dominiert. In Potsdam wird eine hervorragende Arbeit geleistet, die Maßstäbe setzt für die Spielleute insgesamt. In Ziegelrode bot das Kollektiv unter Stabführer Dietmar Siegemund den nahezu 5 000 Zuschauern elf Titel, davon allein neun Neuschöpfungen.

Der 97 Mitwirkende umfassende Klangkörper, etwa ein Drittel davon fingen erst nach dem „VI.“ mit der Spielmannsmusik an, hatte das schwierigste, das anspruchsvollste Repertoire. Verblüffend der Dakotamarsch, den die Potsdamer mit einem völlig neuartigem Rhythmus spielten, verhältnismäßig langsam geradezu „unter die Haut gehend“. Premiere hatte auch der „Manövermarsch“, für den es wie für die meisten anderen Titel Beifall auf offener Szene gab. Gelungen die Idee mit dem „umgekrempelten“ Festmarsch, der die Zuschauer in ausgesprochene feierliche Stimmung versetzte. Die Vielseitigkeit der Potsdamer brachte auch der schmissige Beatmarsch zum Ausdruck, der fast zum Tanzen verleitete. Dies alles wurde technisch perfekt vorgetragen. Hinzu kam, daß hier Musik und originelle Choreographie eine homogene Einheit bildeten, sich gegenseitig geschickt ergänzten.

Wie überlegen der Fanfarenzug „Dr. Richard Sorge“ war, kommt auch im Punktabstand zum Nächstplazierten zum Ausdruck. Vizemeister Stahl Hettstedt hatte mit über 25 Zählern einen ungewöhnlichen Rückstand, der übrigens nicht gegen die Hettstedter, sondern für die brillanten Potsdamer spricht. Hettstedt schuf nämlich mit diesem zweiten Platz keine geringe Überraschung im erfreulichem Sinne. Erst 1976 war dieser Fanfarenzug in die Sonderklasse aufgestiegen und konnte nun solch profilierte Klangkörper wie eben Greiz, Teichwolframsdorf und Einheit Pädagogik Leipzig hinter sich lassen.

Die Leipziger blieben doch etwas unter den Erwartungen. Hier konnte die vor kurzem vorgenommene starke Verjüngung des Klangkörpers nicht nahtlos vollzogen werden. Unverständlich blieb in Ziegelrode das Fehlen des Klangkörpers aus Nordhausen. Uns ist nicht bekannt, warum die ansonsten rührigen Lok-Sportler aus dem Harzer Vorland den Meisterschaften fernblieben.

Zu den Höhepunkten gehörte das eindrucksvolle Kampfmeeting am Lenindenkmal in Eisleben, das auch vom strömenden Regen nicht beeinträchtigt werden konnte. Dem Zentralen Fanfarenzung des DTSB der DDR wurde hier das „Artur-Becker-Ehrenbanner“ überreicht (wir informierten bereits auf Seite 1 darüber).

Resultate:

1. Dynamo Potsdam 84,60
2. Stahl Hettstedt 59,47
3. Greika Greiz 52,60
4. Teichwolframsdorf 51,38
5. Einh. Pädagogik Leipzig 48,60

Machen wir uns nichts vor, das rein sportliche Training in unseren Sektionen und Klangkörpern genießt noch nicht jene Aufmerksamkeit, die notwendig ist. Damit man mich nicht falsch versteht, hier soll keineswegs der wöchentlichen aktiven Sportstunde auf Kosten der musikalischen Ausbildung das Wort geredet werden, es geht um die zusätzliche, regelmäßig (!) betriebene Sportstunde.

Fanfare und Lyra, Trommel und Schalmeie sollten wir einmal in der Woche (oder zumindest alle 14 Tage) für 60 Minuten gegen den Sportdreß eintauschen, um etwas Leichtathletik zu treiben, Fuß- oder Handball zu spielen, zu turnen oder an frischer Luft etwas zu laufen. Aktive sportliche Betätigung gehört heutzutage zur gesunden Lebensweise der Bürger unseres Landes, für einen Spielmann ist sie geradezu unerläßlich, wenn er auf Dauer gute Leistungen in seinem Klangkörper vollbringen, wenn er bestehen will.

Eine willkommene Bereicherung dieses Fitneßprogramms ist die Erfüllung der Bedingungen für das Sportabzeichen. Auf dem VI. Turn- und Sporttag wurde aus gutem Grund die Forderung erhoben, daß jedes Mitglied des DTSB der DDR einmal jährlich die Sportabzeichenbedingungen erfüllt. Nun sagen sicherlich nicht wenige, na und, das haben wir ja in diesem Jahr längst gemacht. Doch die fünf Grundbedingungen für Bronze an einem Sonntagnachmittag absolvieren ist eine Seite, indes regelmäßig Sport zu treiben eine andere. In allen Sphären des gesellschaftlichen Lebens streben wir ständig höhere Leistungen an. Warum geben wir uns eigentlich bei der Sportabzeichenprüfung mit acht Punkten zufrieden, die für den Erwerb von „Bronze“ ausreichen? Muß sich ein 20jähriger Spielmann mit 15 min im 3000-m-Lauf, drei Klimmzügen, 6 m im Dreierhopp, 14,8 s im Schlängellauf und 25 Ringen beim Schießen abfinden? Ich meine nein. Natürlich ist kontinuierliches Training erforderlich, um beispielsweise elf Klimmzüge zu schaffen oder die 3000 m in 12:20 min zu bewältigen, um die Maximalpunktzahl zu erreichen. Aber dazu ist eben regelmäßiges Training erforderlich. Und genau darauf kommt es uns an.

GÜNTHER GIESSLER

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