Deutschlandtreffen der Jugend

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Die Deutschlandtreffen der Jugend waren in den 1950er und 1960er Jahren von der FDJ der DDR organisierte gesamtdeutsche Treffen, bei denen vor allem für eine nach den Vorstellungen der DDR zu gestaltende deutsche Einheit geworben werden sollte. Sie waren das deutsche Pendant zu den internationalen Weltfestspielen der Jugend und Studenten, die in Ost-Berlin in den Jahren 1951 und 1973 ausgerichtet wurden.

Zum Rahmenprogramm gehörten Aufmärsche bzw. Demonstrationen mit allen Teilnehmern, die von einem großen Teil der in der FDJ organisierten Spielleute musikalisch begleitet wurden.

Banner für den Sieger im Wettstreit der Fanfarenzüge 1964

1964 wurde augenscheinlich auch ein Wettbewerb unter den anwesenden FDJ-Fanfarenzügen ausgetragen. Zumindest existiert ein Banner, den der Sieger erhalten hat. Weitere Einzelheiten dazu sind leider nicht mehr bekannt.

Geschichte

Die Deutschlandtreffen der Jugend fanden in den Jahren 1950, 1954 und 1964 jeweils zu Pfingsten in der DDR statt. Auf den Treffen gab es ein umfangreiches kulturelles Programm sowie Vorträge und Diskussionsveranstaltungen.

  • Erstes Deutschlandtreffen vom 27. bis 30. Mai 1950 in Ost-Berlin mit 700.000 Jugendlichen, darunter 30.000 aus der Bundesrepublik
  • Zweites Deutschlandtreffen vom 5. bis zum 7. Juni 1954 in Ost-Berlin
  • Drittes und letztes Deutschlandtreffen vom 16. bis 18. Mai 1964 in Ost-Berlin mit 500.000 Teilnehmern.

Nachdem die DDR das Ziel Wiedervereinigung aufgegeben hatte, gab es anstelle der Deutschlandtreffen die Pfingsttreffen der FDJ, an denen nur DDR-Jugendliche teilnahmen.

DT64

Bei dem Treffen 1964 wurde von DDR-Musikgruppen erstmals entgegen der bisherigen Praxis öffentlich westliche Musik gespielt. Es wurde vom Rundfunk der DDR ein „Sonderstudio Deutschlandtreffen 1964“ eingerichtet, das 99 Stunden ohne Unterbrechung für die Teilnehmer des Treffens ein Programm mit internationaler Musik und mit hohem Live-Anteil ausstrahlte. Später übernahm der Berliner Rundfunk für die ganze DDR das „Jugendstudio DT64“. Es war das erste Radioprogramm der DDR, das sich gezielt an „die Jugend“ richtete. Am 7. März 1986 wurde DT64 ein eigenständiger Sender, der von 13 bis 24 Uhr zu empfangen war, ab Dezember 1987 täglich 20 Stunden. Das Programm startete ab 4 Uhr mit dem Morgenrock. Sonnabends gab es internationale Hits mit den Charts aus der Bundesrepublik, Großbritannien und den USA (Hit-Globus mit Lutz Bertram). Beliebt war auch die Sendung Duett – Musik für den Rekorder, die mehr oder weniger aktuelle Schallplatten vollständig spielte und dadurch das Mitschneiden ermöglichte, was von Seiten des Rundfunks auch so gewollt war.

Während der angespannten politischen Lage vor der Wende berichtete DT64 über die Montagsdemonstrationen. Am 10. November 1989 sendete der Morgenrock vom West-Berliner Kurfürstendamm und es begannen erste Kontakte mit dem SFB, mit dem am 20. November die erste deutsch-deutsche Radio-Gemeinschaftssendung ausgestrahlt wurde. Ab dem 1. April 1990 war DT64 rund um die Uhr auf Sendung – unter dem Motto „Power from the East Side“. Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten wurde das Jugendradio DT64 als Programm gemäß dem Artikel 36 des Einigungsvertrages (Rundfunküberleitungsgesetz) weitergeführt. Die drohende Abschaltung führte zu Protesten. Am 12. Dezember 1991 erklärte in Magdeburg die MDR-Hörfunkdirektorin Carola Sommerey die Bereitschaft des MDR, den Sender ein halbes Jahr auf den bisherigen Frequenzen auszustrahlen. Es folgten weitere Turbulenzen in der Ausstrahlung. Am 30. November 1992 nahm der Rundfunkrat des MDR die Pläne des Intendanten Udo Reiter „zustimmend zur Kenntnis“, den Sender ab 1993 weiter auf Mittelwelle zu senden und in Perspektive unter neuem Namen auf Satellit auszustrahlen. Am 18. Januar 1993 beschloss der Rundfunkrat, die Produktion des Senders nach Halle zu verlegen. Am 1. Mai 1993 endete die Zeit von DT64 mit der Umbenennung in Sputnik.